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176th Annual General Conference, April 2006

Euch jedoch muss es um sein Reich gehen

Pr?sident Gordon B. Hinckley

Ich hoffe, dass Sie alle sich daran erinnern werden, dass Sie an diesem Sabbat geh?rt haben, wie ich bezeugt habe, dass dies Gottes heiliges Werk ist.

Meine lieben Br?der und Schwestern, ich danke Ihnen, dass Sie f?r mich gebetet haben, und bete nun darum, dass Sie mich mit Ihrem Glauben unterst?tzen m?gen.

Wenn man mein Alter erreicht hat, h?lt man ab und an inne und denkt dar?ber nach, wie man zu dem geworden ist, was man jetzt ist.

Ich m?chte gern Ihre Zeit ein wenig in Anspruch nehmen f?r etwas, was vielleicht selbsts?chtig erscheint. Das tue ich deshalb, weil ja eigentlich die ganze Kirche Anteil hat am Leben des Pr?sidenten der Kirche. Er hat nur wenig Privatsph?re und keine Geheimnisse. Diese Ansprache wird sich, glaube ich, von allen anderen unterscheiden, die bisher bei einer Generalkonferenz der Kirche zu h?ren waren.

Mein Leben neigt sich nun dem Ende zu. Wir alle sind ja ganz in der Hand des Herrn. Vielen von Ihnen ist bekannt, dass ich k?rzlich eine gr??ere Operation hatte. Zum ersten Mal in meinen 95 Jahren war ich als Patient in einem Krankenhaus. Ich kann das niemandem empfehlen. Die ?rzte sagen, einige Sch?den seien wohl dauerhaft.

Ich gehe auf meinen 96. Geburtstag zu. Ich m?chte die Gelegenheit nutzen und f?r die gro?en Segnungen danken, die der Herr mir im ?berma? geschenkt hat. Ich wei? sie sehr zu sch?tzen.

Wir alle m?ssen im Leben Entscheidungen treffen: Bei einigen verhei?t uns ein Sirenengesang Reichtum und Wohlstand, andere sind weniger vielversprechend. Irgendwie hat mich der Herr bei meinen Entscheidungen immer begleitet und gef?hrt, auch wenn mir das zu der Zeit manchmal nicht bewusst war.

Dabei muss ich an ein Gedicht von Robert Frost denken, ?Am Scheideweg?. Es endet mit diesen Zeilen:

?Zwei Wege verschwanden dort, und ich ?
ich hab den einsameren gew?hlt.
Und das macht einen gewaltigen Unterschied aus.
(The Poetry of Robert Frost, Hg. Edward Connery Lathem, Seite 105.)

Ich muss an die Worte des Herrn denken: ?Euch jedoch muss es um sein Reich gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.? (Lukas 12:31.)

Vor 48 Jahren bin ich auf der Fr?hjahrs-Generalkonferenz als Generalautorit?t best?tigt worden. Seither habe ich an jeder Generalkonferenz der Kirche gesprochen. Ich habe ?ber 200 Konferenzansprachen gehalten. Ich habe ?ber viele Themen gesprochen. Aber in allen kommt wie ein roter Faden mein Zeugnis von diesem herrlichen Werk in den Letzten Tagen zum Ausdruck.

Doch es gab Ver?nderungen und gibt sie immer noch. Meine geliebte Frau, die 67 Jahre lang an meiner Seite war, ist vor zwei Jahren von mir gegangen. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich sie vermisse. Sie war eine bemerkenswerte Frau, mit der ich ?ber zwei Drittel eines Jahrhunderts in v?lligem Einklang Seite an Seite gegangen bin. Wenn ich so auf mein Leben zur?ckblicke, kann ich nur ehrf?rchtig staunen. All das Gute, was mir widerfahren ist, einschlie?lich meiner Ehe, kam dadurch zustande, dass ich in der Kirche aktiv war.

Vor ein paar Tagen habe ich am Abend eine unvollst?ndige Auflistung der Gesellschaften und Organisationen durchgesehen, von denen ich eine Auszeichnung erhalten habe ? und das alles, weil ich in der Kirche aktiv mitwirke. Etliche Pr?sidenten der Vereinigten Staaten haben das B?ro der Ersten Pr?sidentschaft aufgesucht. Bei mir im B?ro h?ngt ein Foto an der Wand. Darauf sieht man, wie ich Pr?sident Ronald Reagan ein Buch Mormon ?berreiche. In meinem B?cherregal ist auch die Freiheitsmedaille des Pr?sidenten, die mir von Pr?sident Bush verliehen wurde. Ich war zu diversen Anl?ssen im Wei?en Haus. Ich habe Premierminister und Botschafter vieler L?nder kennen gelernt und empfangen, darunter auch die britischen Premierminister Margaret Thatcher und Harold Macmillan.

Ich kannte und arbeitete mit jedem Pr?sidenten der Kirche von Pr?sident Grant an bis hin zu Howard W. Hunter. Ich kannte und sch?tzte s?mtliche Generalautorit?ten in all den vielen Jahren.

Momentan sehe ich die vielen B?cher und Erinnerungsst?cke durch, die ich im Laufe der Jahre gesammelt habe. Dabei fand ich ein altes Tagebuch mit sporadischen Eintr?gen aus den Jahren 1951 bis 1954. Damals war ich Ratgeber in der Pfahlpr?sidentschaft und war noch nicht als Generalautorit?t berufen.

Als ich dieses alte Tagebuch las, wurde mir bewusst, dass ich ? dank der G?te des Herrn ? s?mtliche Mitglieder der Ersten Pr?sidentschaft und des Kollegiums der Zw?lf sehr gut gekannt hatte, und daf?r bin ich dankbar. Heutzutage ist das wohl niemandem mehr verg?nnt, weil die Kirche so gewachsen ist.

In diesem Tagebuch finden sich Eintr?ge wie die Folgenden:

?11. M?rz 1953 ? Pr?sident McKay besprach mit mir das Programm f?r die Missionspr?sidenten bei der Fr?hjahrskonferenz.?

?Donnerstag, 19. M?rz ? Joseph Fielding Smith trug mir auf, einen der f?hrenden Br?der zu bitten, dass er vorzeigt, wie die Missionarskonferenz am Samstagabend abzuhalten ist. ? Meiner Meinung nach sollte Spencer W. Kimball oder Mark E. Petersen dies ?bernehmen.?

?Donnerstag, 26. M?rz ? Pr?sident McKay hat eine interessante Geschichte erz?hlt. Er sagte: ?Ein Farmer hatte ein gro?es St?ck Land. Als er alt wurde, war ihm die Arbeit zu viel. Er hatte nur S?hne. Und so rief er seine S?hne zu sich und erkl?rte ihnen, dass sie von nun an die B?rde zu tragen h?tten. Der Vater ruhte sich aus. Doch eines Tages ging er hinaus aufs Feld. Die S?hne sagten, er solle nach Hause gehen, denn sie brauchen seine Hilfe nicht. Da sagte der Vater: ?Mein Schatten auf dieser Farm ist mehr wert als eure ganze Arbeit.?? Pr?sident McKay sagte, dass der Vater in dieser Geschichte Pr?sident Stephen L. Richards darstellte. Dieser war krank, aber f?r Pr?sident McKay war seine Unterst?tzung und Freundschaft ?u?erst wertvoll.?

?Freitag, 3. April 1953 ? War von 9.00 Uhr bis 15.30 Uhr bei der Versammlung f?r Generalautorit?ten und Missionspr?sidenten im Tempel. ?ber 30 Missionspr?sidenten haben gesprochen. Alle wollen mehr Missionare. Alle kommen gut voran.?

?Dienstag, 14. April ? Pr?sident Richards war im B?ro, hatte ein angenehmes Gespr?ch mit ihm. Er wirkt m?de und schwach. Ich glaube, er wurde zu einem ganz besonderen Zweck vom Herrn bewahrt.?

?Montag, 20. April 1953 ? Hatte ein interessantes Gespr?ch mit Henry D. Moyle vom Rat der Zw?lf Apostel.?

?15. Juli 1953 ? Albert E. Bowen vom Rat der Zw?lf ist gestorben. Er war ?ber ein Jahr lang schwer krank. Wieder ist einer meiner Freunde gegangen. ? Ich habe ihn gut gekannt. Er war ein weiser und standhafter Mann. Man konnte ihn nicht aus der Ruhe bringen, er war auch nie in Eile. Er handelte immer wohl?berlegt ? ein ungew?hnlich besonnener Mann mit gro?em, schlichtem Glauben. Die alten, klugen K?pfe verschwinden allm?hlich. Sie waren meine Freunde. In der kurzen Zeit habe ich viele gro?e M?nner in der Kirche kommen und gehen sehen. Mit den meisten habe ich zusammengearbeitet. Ich habe sie auch gut gekannt. Nach einer Weile wird man nicht mehr an sie denken. In f?nf Jahren werden Namen wie Merrill, Widtsoe, Bowen ? sie alle waren einflussreiche M?nner ? nur noch bei ganz wenigen pr?sent sein. Man muss bei seiner t?glichen Arbeit Zufriedenheit finden, daran denken, dass die Familie vielleicht einmal seiner gedenken wird, dass man dem Herrn wichtig ist, aber dar?ber hinaus wird man bei den kommenden Generationen kaum etwas gelten.?

Und so geht es weiter. Ich habe das nur vorgelesen, um zu zeigen, was f?r eine bemerkenswerte Beziehung ich als junger Mann zu den Mitgliedern der Ersten Pr?sidentschaft und des Kollegiums der Zw?lf hatte.

Im Laufe meines Lebens war ich auch bei den Benachteiligten und Armen der Erde. Ihnen habe ich meine Liebe, meine Zuwendung und meinen Glauben geschenkt. Ich hatte Kontakt zu angesehenen und einflussreichen M?nnern und Frauen aus vielen Teilen der Erde. Ich hoffe, dass ich dadurch wenigstens ein kleines Bisschen erreichen konnte.

Als ich gerade einmal elf Jahre alt war, bekam ich meinen Patriarchalischen Segen von einem Mann, den ich nie zuvor gesehen hatte und danach auch nie wieder sah. Das ist ein bemerkenswertes Dokument, ein prophetisches Dokument. Der Segen ist pers?nlich und ich werde auch nicht viel daraus vorlesen. Jedoch steht darin Folgendes: ?Die V?lker der Erde werden deine Stimme h?ren und werden durch das wunderbare Zeugnis, das du geben wirst, zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.?

Als ich nach meiner Mission in England entlassen wurde, machte ich noch eine kurze Europareise. Ich hatte in London Zeugnis gegeben und tat dies dann noch in Berlin und Paris sowie sp?ter auch in Washington, D.C. So sagte ich mir, dass ich ja in diesen gro?en Hauptst?dten der Welt mein Zeugnis gegeben hatte. Also hatte sich dieser Teil meines Segens erf?llt.

Es stellte sich aber heraus, dass das nur die Spitze des Eisberges gewesen war. Seither habe ich meine Stimme auf jedem Kontinent erhoben, in gro?en und kleinen St?dten, ?berall von Nord bis S?d, von Ost bis West in dieser gro?en, weiten Welt ? von Kapstadt bis Stockholm, von Moskau bis Tokio oder Montreal, in jeder gro?en Hauptstadt der Welt. Das alles ist ein Wunder.

Letztes Jahr habe ich die Mitglieder der Kirche in aller Welt gebeten, das Buch Mormon erneut zu lesen. Tausende, ja Hunderttausende, sind dieser Aufforderung nachgekommen. Der Prophet Joseph Smith sagte 1841: ?Ich habe den Br?dern gesagt, das Buch Mormon sei das richtigste aller B?cher auf Erden und der Schlussstein unserer Religion, und wenn man sich an dessen Weisungen hielte, w?rde man dadurch n?her zu Gott kommen als durch jedes andere Buch.? (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 198.)

Diese Aussage ist wahr, und ich glaube, dadurch muss etwas Bemerkenswertes bei den Mitgliedern dieser Kirche geschehen sein. Es wurde beobachtet, wie Mitglieder im Bus im Buch Mormon lasen, beim Mittagessen, im Wartezimmer beim Arzt und in vielen anderen Situationen. Ich glaube und bin zuversichtlich, dass wir Gott n?her gekommen sind, weil wir dieses Buch gelesen haben.

Letzten Dezember hatte ich die Freude, zusammen mit vielen von Ihnen dem Propheten Joseph Smith am 200. Jahrestag seiner Geburt Ehre zu erweisen. Mit Elder Ballard war ich an seinem Geburtsort in Vermont, w?hrend dieses gro?e Konferenzzentrum mit Heiligen der Letzten Tage gef?llt war. Die Botschaften wurden ?ber Satellit in alle Welt ausgestrahlt, und so wurde der beliebte Prophet dieses gro?en Werkes der Letzten Tage gepriesen.

Ich k?nnte noch vieles aufz?hlen. Ich m?chte mich nochmals entschuldigen, dass ich ?ber so Pers?nliches spreche. Doch ich tue dies nur, um meine Wertsch?tzung und Dankbarkeit f?r die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zum Ausdruck zu bringen. All dies ist geschehen, weil der Herr mich an diese Stelle gesetzt hat. Das Herz quillt mir ?ber vor Dankbarkeit und Liebe.

Ich wiederhole:

?Zwei Wege verschwanden dort, und ich ?
ich hab den einsameren gew?hlt.
Und das macht einen gewaltigen Unterschied aus.

Ich hoffe, dass Sie meine Worte nicht als Nachruf auffassen. Vielmehr freue ich mich darauf, im Oktober wieder zu Ihnen sprechen zu d?rfen.

Zum Schluss m?chte ich sagen: Ich hoffe, dass Sie alle sich daran erinnern werden, dass Sie an diesem Sabbat geh?rt haben, wie ich bezeugt habe, dass dies Gottes heiliges Werk ist. Die Vision, die dem Propheten Joseph Smith im Wald bei Palmyra zuteil wurde, war keine Einbildung. Das hat sich wirklich zugetragen. Das geschah am helllichten Tag. Sowohl der Vater als auch der Sohn sprachen zu dem jungen Mann. Er sah die beiden ?ber sich in der Luft stehen. Er h?rte ihre Stimme, und er folgte ihren Anweisungen.

Es war der auferstandene Herr, der da von seinem Vater, dem gro?en Gott des Universums, vorgestellt wurde. Soweit wir aus den Aufzeichnungen wissen, war dies das erste Mal, dass der Vater und der Sohn zusammen erschienen sind, um den Schleier zu zerteilen und diese, die letzte Evangeliumszeit, die F?lle der Zeiten, zu er?ffnen.

Das Buch Mormon ist alles, was es zu sein vorgibt ? ein Bericht, der von Propheten aus alter Zeit verfasst wurde und der hervorgekommen ist, damit ?die Juden und die Andern davon ?berzeugt werden, dass Jesus der Christus ist, der ewige Gott, der sich allen Nationen kundtut? (Titelblatt des Buches Mormon).

Das Priestertum wurde durch Johannes den T?ufer sowie Petrus, Jakobus und Johannes wiederhergestellt. Alle Schl?ssel und Vollmachten, die f?r das ewige Leben erforderlich sind, werden in dieser Kirche ausge?bt.

Joseph Smith war und ist ein Prophet, der gro?e Prophet dieser Evangeliumszeit. Die Kirche, die den Namen des Erl?sers tr?gt, ist wahr.

Ich gebe Ihnen mein Zeugnis. Ich habe einen jeden von Ihnen lieb. Im Namen Jesu Christi. Amen.