Julie B. Beck
Erste Ratgeberin in der JD-Pr?sidentschaft
Ich bin dankbar f?r unseren Erretter und die Einladung an uns alle, zu Christus zu kommen und in ihm vollkommen zu werden.1 Ich hoffe, ich kann einige meiner Gedanken und Gef?hle dar?ber vermitteln, was es hei?t, an ihn zu denken, umzukehren und sich zu ?ndern. Ich glaube, ich kann am besten zum Ausdruck bringen, was mich im Herzen bewegt, wenn ich euch von drei Frauen erz?hle und dann ?ber einige Lektionen spreche, die ich aus ihrer jeweiligen Geschichte gelernt habe.
Ich m?chte mit Ruth May Fox beginnen, die vor vielen Jahren JD-Pr?sidentin war. Sie diente in dieser Berufung, bis sie 84 Jahre alt war. Schwester Fox war in England geboren worden und als sie dreizehn war, ging sie fast die ganze Strecke ins Salzseetal mit einer Gruppe von Pionieren zu Fu?. Ihre Mutter war gestorben, als sie noch ein Baby war, daher verbrachte sie die ersten zw?lf Jahre ihres Lebens bei verschiedenen Familien. Sie muss ein schwieriges Kind gewesen sein, denn ihre Gro?mutter bezeichnete sie als ein ?b?ses M?dchen? und weigerte sich, sich um sie zu k?mmern.2
Schlie?lich heiratete Ruth und hatte zw?lf Kinder. Sie gab ihr festes Zeugnis an ihre Kinder weiter und lehrte sie Evangeliumslektionen, w?hrend sie Seite an Seite miteinander arbeiteten. Sie gab jedoch zu, dass sie ihre ?lteren Kinder manchmal recht schroff zurechtwies, weil sie ein hitziges Temperament hatte und nicht immer ?bis zehn z?hlte?3, wenn sie provoziert wurde. Sie arbeitete hart daran, diese Schw?che in den Griff zu bekommen, und wurde f?r ihr g?tiges Herz und ihren Dienst am N?chsten bekannt.
Schwester Fox wurde 104 Jahre alt. In ihrem langen Leben erlebte sie gro?e Freude und schwierige Pr?fungen. Sie sagte: ?Das Leben bringt einige schwierige Lektionen mit sich. Die widerstandsf?higsten Pflanzen werden nicht unter Glas gezogen, und Charakterst?rke erlangt man nicht, wenn man Problemen aus dem Weg geht.?4
Im letzten Jahr bin ich auf den Independence Rock in Wyoming gestiegen, um nachzusehen, wo Schwester Fox im Alter von 13 Jahren ihren Namen eingeritzt hatte, als sie auf ihrer Reise ins Salzseetal war. Die Witterung der letzten 140 Jahre hat es fast ausgel?scht, aber ich konnte gerade noch ?Ruth May 1867? erkennen. Ich wollte mehr ?ber diese gro?artige F?hrerin und Nachfolgerin Jesu Christi erfahren, die ihr ganzes Leben daran arbeitete, sich zu verbessern, und deren Motto lautete: ?Das Reich Gottes oder gar nichts!?5
Meine n?chste Geschichte handelt von einer Frau, die ich Mary nennen werde. Sie war die Tochter glaubenstreuer Pioniereltern, die f?r das Evangelium viel geopfert hatten. Sie heiratete im Tempel und war Mutter von zehn Kindern. Sie war eine talentierte Frau, die ihre Kinder lehrte zu beten, hart zu arbeiten und einander zu lieben. Sie zahlte ihren Zehnten, und die Familie fuhr sonntags in ihrem Wagen zusammen zur Kirche.
Obwohl sie wusste, dass es im Widerspruch zum Wort der Weisheit stand, gew?hnte sie sich das Kaffeetrinken an und hatte immer hinten auf dem Ofen einen Kaffeetopf stehen. Sie behauptete: ?Der Herr wird mich nicht wegen einer kleinen Tasse Kaffee aus dem Himmel ausschlie?en.? Aber aufgrund jener kleinen Tasse Kaffee war sie nicht w?rdig, einen Tempelschein zu erhalten, und auch nicht diejenigen unter ihren Kindern, die mit ihr Kaffee tranken. Obwohl sie relativ alt wurde und sich schlie?lich w?rdig machte, wieder in den Tempel zu gehen und dort zu dienen, ging nur eines ihrer Kinder eine w?rdige Tempelehe ein; ein Gro?teil ihrer Nachkommen, jetzt in der f?nften Generation, lebt ohne die Segnungen des wiederhergestellten Evangeliums, an das sie glaubte und f?r das ihre Vorfahren so viel geopfert hatten.
Die letzte Geschichte handelt von Christina (das ist nicht ihr richtiger Name), die als kleines M?dchen getauft und an ihre Familie gesiegelt worden war. Irgendwann im Laufe der Zeit hatte die Familie jedoch aufgeh?rt, nach dem Evangelium zu leben. Jetzt war sie etwa achtzehn; sie hatte einige falsche Entscheidungen getroffen und war sehr ungl?cklich.
Eines Tages gab ich ihr die Brosch?re Mein Fortschritt und sagte: ?Dieses Heft wird dir helfen, dir Eigenschaften Christi anzueignen, sodass du dich so ?ndern kannst, wie du es dir w?nschst. Ich m?chte dich auffordern, noch heute mit der Arbeit darin zu beginnen. Bring es heute Abend zur Jugend-Fireside mit und erz?hl mir, was du gelernt hast.? An dem Abend sagte sie mit Tr?nen in den Augen: ?Heute habe ich meinen pers?nlichen Fortschritt begonnen.? Sie hat mir seit damals ein paar Mal geschrieben. Sie fing wieder an, zu den Sonntagsversammlungen, den JD-Aktivit?ten und zum Seminar zu gehen. Einige Wochen sp?ter gingen ihre Schwester und ihre Mutter mit ihr zur Kirche. Sp?ter ging auch der Vater mit, und mittlerweile war die ganze Familie wieder zusammen im Tempel.
Welche Lektionen habe ich also aus diesen Geschichten dar?ber gelernt, an Christus zu denken, umzukehren und sich zu ?ndern?
Die erste Lektion lautet: Jeder macht Fehler.6 Vor kurzem war ich mit einem achtj?hrigen M?dchen am Tag seiner Taufe zusammen. Am Ende des Tages sagte es voll Zuversicht: ?Ich bin schon einen ganzen Tag lang getauft und habe seitdem noch nicht einmal ges?ndigt!? Aber der perfekte Tag dauerte nicht ewig, und ich bin sicher, dass es inzwischen wie wir alle lernt, dass wir, so sehr wir uns auch bem?hen, nicht immer jede heikle Situation und jede falsche Entscheidung vermeiden oder uns so unter Kontrolle haben, wie wir sollten. Ich h?re oft etwas ?ber das auserw?hlte, k?nigliche Geschlecht dieser Evangeliumszeit, aber ich habe nie geh?rt, dass es als vollkommene Generation bezeichnet wurde. Teenager sind besonders gef?hrdet, weil es die Macht des Satans wirklich gibt und sie ihre ersten gro?en, selbst?ndigen Entscheidungen treffen. Folglich machen sie auch ihre ersten gro?en Fehler.
Genau das ist Korianton im Buch Mormon widerfahren. Korianton sollte glaubenstreu eine Mission erf?llen, aber er dachte, er sei stark und klug genug, um mit riskanten Situationen und schlechter Gesellschaft umgehen zu k?nnen, und er geriet in gro?e Schwierigkeiten und beging eine gro?e S?nde, als er anfing, mit den falschen Leuten zu den falschen Orten zu gehen und das Falsche zu tun.7
Meine zweite Lektion lautet: Umkehr ist keine blo?e Wahlm?glichkeit. Uns ist geboten umzukehren.8 Der Erl?ser hat gelehrt: Wenn wir nicht umkehren und ?wie ein kleines Kind werden, [k?nnen wir] keinesfalls das Reich Gottes ererben?.9 Wir d?rfen nicht zulassen, dass eine kleine Tasse Kaffee, eine schlechte Gewohnheit, eine falsche Entscheidung unser Leben auf ein falsches Gleis f?hrt.
Manchmal wird man nachl?ssig, was die Umkehr angeht. Ich habe schon einige Male geh?rt, dass es zu schwer sei umzukehren. Andere sagen, sie seien es leid, sich schuldig zu f?hlen, oder wurden von einem f?hrenden Mitglied, das ihnen bei der Umkehr half, gekr?nkt. Manchmal gibt jemand auf, wenn er Fehler gemacht hat, und glaubt, dass es keine Hoffnung f?r ihn gibt. Einige erwarten, dass sie sich besser f?hlen, wenn sie sich vom wiederhergestellten Evangelium abwenden und fortgehen.
Es ist der Satan, der Hoffnungslosigkeit ins Herz derjenigen einkehren l?sst, die Fehler begangen haben. Der Herr Jesus Christus gibt uns immer Hoffnung. Er sagt:
?Du wurdest erw?hlt, das Werk des Herrn zu verrichten, aber der ?bertretung wegen, wenn du nicht achtgibst, wirst du fallen.
Doch denke daran, Gott ist barmherzig; darum kehre um von dem, was du getan hast, was gegen das Gebot ist, das ich dir gegeben habe, dann bist du noch immer erw?hlt und bist wieder zum Werk berufen.?10
Der leichteste und schnellste Weg zu wahrem Gl?ck und Frieden besteht darin, so schnell wie m?glich umzukehren und sich zu ?ndern.
Die dritte Lektion lautet: Wir tun es nicht allein. Es ist nicht m?glich, ganz allein eine wirkliche ?nderung zu vollziehen. Unsere eigene Willenskraft und unsere guten Absichten reichen nicht aus. Wenn wir Fehler machen oder schlechte Entscheidungen treffen, brauchen wir die Hilfe des Erretters, um auf den Weg zur?ckzukommen. Wir nehmen jede Woche vom Abendmahl, um unseren Glauben zu zeigen, dass er die Macht hat, uns zu ?ndern. Wir bekennen unsere S?nden und versprechen, von ihnen zu lassen.11
Wenn unser Bestm?gliches nicht ganz ausreicht, erhalten wir durch seine Gnade die Kraft, uns weiter zu bem?hen.12 Der Herr sagt: ?Wenn Menschen zu mir kommen, so zeige ich ihnen ihre Schw?che. Ich gebe den Menschen Schw?che, damit sie dem?tig seien; und meine Gnade ist ausreichend f?r alle Menschen, die sich vor mir dem?tigen; denn wenn sie sich vor mir dem?tigen und Glauben an mich haben, dann werde ich Schwaches f?r sie stark werden lassen.?13
Wenn wir die Hilfe des Herrn suchen, um uns zu ?ndern, dann gilt uns die Verhei?ung: ?Wer von seinen S?nden umgekehrt ist, dem ist vergeben, und ich, der Herr, denke nicht mehr an sie.?14 Der Herr gibt uns nicht auf. ?Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.?15 Die Freude und der Friede, die wir durch das Wissen erlangen, dass uns vergeben wurde, sind eine Segnung Gottes. Dieser Friede kommt zu der vom Herrn bestimmten Zeit und auf seine Weise, aber er kommt.
Meine letzte Lektion lautet: Wir k?nnen uns ?ndern. Wir haben jeden Tag aufs Neue die Gelegenheit, an den Erretter zu denken und seinem Beispiel zu folgen. Ohne Umkehr k?nnen wir keinen Fortschritt machen.16 Deshalb ist die Umkehr der zweite Grundsatz des Evangeliums.17
Statt Entschuldigungen f?r Schw?chen zu suchen, arbeiten wir jeden Tag daran, gute Gewohnheiten und christliche Eigenschaften zu entwickeln. Pr?sident Spencer W. Kimball sagte: ?Die Entwicklung christlicher Eigenschaften ist eine fordernde und schonungslose Aufgabe ? sie ist nichts f?r ?Saisonarbeiter? oder jene, die nicht immer wieder an ihre Leistungsgrenzen gehen wollen.?18 Von Christina habe ich gelernt, dass die Entwicklung christlicher Eigenschaften ein Zeichen daf?r ist, dass wir uns ?ndern.
Da wir alle sterblich sind, begeht jeder von uns Fehler. Umkehr ist keine blo?e Wahlm?glichkeit, aber wir m?ssen sie nicht allein vollziehen. Wir haben einen Erretter, der uns hilft umzukehren. Wenn wir seine Eigenschaften in uns entwickeln, wissen wir, dass wir Ver?nderungen vornehmen, die uns helfen, ihm n?herzukommen.
Schwester Fox fand, dass das Evangelium ihr Schutzmantel gegen Versuchung, ihr Trost in Kummer, die Freude und Herrlichkeit all ihrer Tage und ihre Hoffnung auf ewiges Leben war.19 Sie nahm sich als Motto: ?Das Reich Gottes oder gar nichts?, weil sie wusste, wenn sie das Evangelium von ganzem Herzen annahm, w?rde sie die Verhei?ung, die der Erretter uns allen gegeben hat, erlangen k?nnen: ?Wer umkehrt und sich in meinem Namen taufen l?sst, der wird erf?llt werden; und wenn er bis ans Ende ausharrt, siehe, ihn will ich vor meinem Vater schuldlos halten an dem Tag, da ich dastehe, um die Welt zu richten.?20
Durch Umkehr habe ich den Erretter kennengelernt; und wenn ich seine Hilfe suche, um mich zu ?ndern, dann nehmen mein Glaube und mein Vertrauen in ihn zu. Ich gebe Zeugnis davon, dass er lebt, und von seiner Macht. Im Namen Jesu Christi. Amen.