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177th Annual General Conference, April 2007

Bleibt auf dem Pfad

Elaine S. Dalton
Zweite Ratgeberin in der JD-Pr?sidentschaft

Manchmal glauben wir, dass wir am Abgrund leben und uns dennoch unsere Tugend bewahren k?nnen. Aber das ist ein riskanter Aufenthaltsort.

Auf einem Weg in einer Schlucht in der N?he meines Zuhauses steht auf einem Schild: Bleiben Sie auf dem Pfad! Wenn man diesem Weg folgt, wird schnell ganz deutlich, dass dies ein guter Rat ist. Es gibt H?gel, Kurven und Steilh?nge. An einigen Stellen ist der Boden abseits des Weges instabil, und zu bestimmten Zeiten im Jahr kann man gelegentlich auch eine Klapperschlange sehen. Meine Botschaft heute Abend an jede von euch gleicht der Botschaft auf dem Schild: Bleibt auf dem Pfad!

Vor mehreren Jahren unternahm ich mit einer Gruppe Junger Damen eine Rucksacktour in den Teton Mountains in Wyoming. Es war eine schwierige Wanderung, und am zweiten Tag kamen wir zum gef?hrlichsten Teil. Wir mussten am Hurricane Pass entlang ? der seinen Namen zu Recht tr?gt, da dort fast st?ndig heftige Winde wehen. Wir wurden von einem Ranger angewiesen, in der Mitte des Weges zu bleiben, uns auf dem ungesch?tzten Teil der Strecke so weit wie m?glich zu ducken, alles in unseren Rucks?cken zu sichern und z?gig zu gehen. Dies war keine Stelle, um Fotos oder Rast zu machen. Ich war sehr erleichtert und gl?cklich, als jede Junge Dame diese Stelle erfolgreich passiert hatte. Und wisst ihr was ? keine einzige von ihnen fragte, wie nah sie dem Abgrund kommen konnte!

Manchmal m?chten wir uns auf unserem Pfad des Lebens an gef?hrlichen Orten herumtreiben; wir glauben, dass es lustig und aufregend ist und wir alles unter Kontrolle haben. Manchmal glauben wir, dass wir am Abgrund leben und uns dennoch unsere Tugend bewahren k?nnen. Aber das ist ein riskanter Aufenthaltsort. Wie der Prophet Joseph Smith uns sagte: ?Gl?cklich zu sein ist der Zweck und die Absicht unseres Daseins, und dieses Ziel wird auch erreicht werden, wenn wir dem Pfad folgen, der dahin f?hrt. Dieser Pfad hei?t Tugend.? (History of the Church, 5:134f.)

Der Rat des Herrn an Emma Smith in Abschnitt 25 des Buches Lehre und B?ndnisse ist sein Rat an alle seine kostbaren T?chter. Dort erhalten wir einen Verhaltenskodex ? den Rat, ?auf den Pfaden der Tugend? zu wandeln (Vers 2). Tugend ?ist eine Denk- und Verhaltensweise, die auf hohen moralischen Grunds?tzen beruht? (Verk?ndet mein Evangelium!, Seite 139). Welches sind also die hohen moralischen Grunds?tze, die uns helfen, tugendhaft zu sein?

Tugend beinhaltet Schicklichkeit in Gedanken, Sprache, Kleidung und Benehmen. Und Schicklichkeit ist die Grundlage f?r Keuschheit. So wie man dort nicht barfu? geht, wo es Klapperschlangen gibt, ist es in der heutigen Welt entscheidend f?r unsere Sicherheit, dass wir sittsam sind. Wenn wir sittsam sind, zeigen wir anderen, dass wir verstehen, welche Beziehung wir zum Vater im Himmel als seine T?chter haben. Wir zeigen, dass wir ihn lieben und dass wir in allem als seine Zeugen auftreten. Wenn wir sittsam sind, zeigen wir anderen, dass wir ?ein reines Herz? haben wollen (?Lieber Vater, hoch im Himmel?, Gesangbuch, Nr. 54). Bei Schicklichkeit geht es nicht darum, ?in? zu sein. Es ist eine Sache des Herzens. Es geht darum, heilig zu sein. Es geht nicht darum, mit der Mode zu gehen. Es geht darum, glaubenstreu zu sein. Es geht nicht darum, cool zu sein. Es geht darum, keusch zu sein und die Gebote zu halten. Es geht nicht darum, beliebt zu sein, sondern rein. Bei Schicklichkeit geht es nur darum, sicheren Halt auf dem Pfad der Keuschheit und Tugend zu bewahren. Es ist offensichtlich, dass Tugend eine Bedingung f?r die Erh?hung ist. Mormon gibt uns zu verstehen, dass sowohl Tugend als auch Keuschheit ?vor allem anderen h?chst teuer und kostbar ist? (Moroni 9:9). Wir k?nnen es uns einfach nicht leisten, nachl?ssig zu sein oder zu dicht an den Abgrund zu gehen. Das ist gef?hrlicher Boden f?r jede Tochter Gottes.

Im Buch Lehre und B?ndnisse wird uns in Abschnitt 25 geraten, unbedingt an unseren B?ndnissen festzuhalten (siehe Vers 13). Festhalten bedeutet f?r mich, bei einer Sache zu bleiben und die Versprechen, die wir dem Herrn gegeben haben, wirklich fest zu halten. Unsere B?ndnisse geben uns Kraft, der Versuchung zu widerstehen. Wenn wir unsere B?ndnisse einhalten, halten sie uns auf dem Pfad der Tugend. Wenn wir die B?ndnisse, die wir bei der Taufe geschlossen haben, halten, bleiben wir in der Mitte des Weges. Elder Jeffrey R. Holland macht uns dies bewusst:

?Angefangen bei der Taufe schlie?en wir B?ndnisse auf diesem Weg zum ewigen Leben, und wir bleiben auf dem Weg, indem wir sie halten. ?

? Wir werden immer gen?gend Eingebungen des Heiligen Geistes empfangen, wenn wir auf dem Weg des Bundes bleiben. Meist f?hrt unser Weg bergauf, doch die Hilfe, die wir bei diesem Aufstieg erhalten, ist buchst?blich g?ttlich. Drei Mitglieder der Gottheit ? der Vater, der Sohn und der Heilige Geist ? helfen uns aufgrund der B?ndnisse, die wir geschlossen haben.

Damit wir uns an diese B?ndnisse erinnern, nehmen wir jede Woche vom Abendmahl. In dem Gebet, mit dem das Brot gesegnet wird, bezeugen wir ?dir, o Gott, ewiger Vater, ? dass [wir] willens sind, den Namen deines Sohnes auf [uns] zu nehmen und immer an ihn zu denken und seine Gebote, die er [uns] gegeben hat, zu halten, damit sein Geist immer mit [uns] sei?. (LuB 20:77.)? (?Was jedes neue Mitglied wissen sollte ? und woran sich jedes langj?hrige Mitglied halten sollte?, Liahona, Oktober 2006, Seite 11f.)

Vom Geist geleitet, werdet ihr zuversichtlich und gl?cklich sein, und Tugend wird immerfort eure Gedanken zieren. Das Buch Mormon beschreibt, was geschah, als eine ganze Gesellschaft ihre Gebote hielt und rein und tugendhaft lebte: ?Und gewiss konnte es kein gl?cklicheres Volk unter allem Volk geben, das von der Hand Gottes erschaffen worden war.? (4 Nephi 1:16.) Wenn der Heilige Geist euch leitet, werdet ihr ebenfalls ein rechtschaffener Einfluss f?r andere sein.

Ich habe in meinem B?ro Bilder von Frauen aus mehreren Generationen meiner Familie ? meine Urgro?mutter, meine Gro?mutter, meine Mutter und meine Tochter Emi. Ihr Leben, das sich durch Engagement und Glauben an den Plan auszeichnet, hat mir geholfen, mich zu verbessern und mehr zu erreichen. Wenn ich diese Bilder jetzt ansehe, kann ich deutlich erkennen, wie wichtig es ist, ein tugendhaftes Leben zu f?hren. Heute habe ich nicht nur eine Tochter, sondern kann auch f?nf Schwiegert?chter und f?nf kleine Enkelt?chter diesen Bildern hinzuf?gen. Ich f?hle mich sehr verpflichtet, ihnen ein vorbildlich tugendhaftes und heiliges Leben vorzuleben. Selbst wenn ihr die Erste in der Reihe zuk?nftiger Generationen seid, habt auch ihr eine Verantwortung gegen?ber jenen, die nach euch kommen werden.

Vor kurzem unternahm ich noch einmal die Wanderung in den Tetons, von der ich bereits erz?hlt habe, nur diesmal mit meinem Mann und einigen Bekannten in unserem Alter. Anfangs war es aufregend und einfach, aber noch bevor wir an unserem Bestimmungsort ankamen, waren wir ersch?pft, und ich wusste, dass ich in Schwierigkeiten war. Ich war k?rperlich nicht so gut auf die Wanderung vorbereitet wie vor Jahren mit den Jungen Damen ? und ich hatte meine Ausr?stung un?berlegt gepackt und zu viel mitgenommen. Das Gewicht meines Rucksacks erm?dete mich zusehends. Ich war bereit, aufzugeben. Die anderen litten ebenfalls unter der H?henluft, dem steilen Gel?nde und dem schweren Gep?ck. Mein Mann sp?rte das und eilte voraus. Ich f?hlte mich im Stich gelassen. Aber nach ungef?hr einer Stunde konnte ich sehen, wie mein Mann auf der anderen Seite des Tals den Pfad herabkam. Er rannte auf mich zu. Als er mich erreichte, nahm er meinen Rucksack, trocknete meine Tr?nen und f?hrte mich zu unserem Ziel ? einem kristallklaren See, der von hohen Kiefern umgeben war. Dann wandte er sich um, ging den Pfad zur?ck und tat das Gleiche noch vier weitere Male f?r die anderen Wanderer. Als ich ihn beobachtete, tat es mir leid, dass ich so schlecht vorbereitet war, und noch mehr, dass ich in meinem Rucksack so viel Zus?tzliches hatte, was das Gewicht, das er f?r mich zu tragen hatte, noch vergr??erte. Aber ich war sehr dankbar f?r seine Kraft, seine Selbstlosigkeit, seine Vorbereitung und seine Liebe.

Wenn ihr die Berge des Lebens besteigt, bleibt auf dem Pfad der Tugend. Es wird andere geben, die euch helfen ? eure Eltern, Angeh?rige, den Bischof, Ratgeber und rechtschaffene Freunde jeden Alters. Und wenn ihr m?de seid oder eine falsche Abzweigung genommen habt, dann ?ndert den Kurs und kehrt zur?ck auf den Pfad der Tugend. Denkt immer daran, dass der Erretter f?r euch da ist. Er wird euch bef?higen umzukehren, er wird euch Kraft geben, eure Last leichter machen, eure Tr?nen trocken, euch tr?sten und euch weiterhin helfen, auf dem Pfad zu bleiben.

Der Erretter ist das vollkommene Beispiel f?r Tugend. Als Jesus auf den Stra?en im Heiligen Land unterwegs war, zog er umher und tat Gutes (siehe Apostelgeschichte 10:39). Er heilte die Kranken, machte die Blinden sehend und erweckte die Toten. Er lehrte die Wahrheiten der Ewigkeit, dass wir tats?chlich im Vorherdasein existiert haben, den Sinn des Erdenlebens und die M?glichkeiten, die wir als T?chter Gottes im k?nftigen Leben haben (vgl. ?Der Lebendige Christus: Das Zeugnis der Apostel?, Liahona, April 2000, Seite 2). Eine meiner Lieblingsschriftstellen lautet: ?Mit ganzem Herzen vertrau auf den Herrn, bau nicht auf eigene Klugheit; such ihn zu erkennen auf all deinen Wegen, dann ebnet er selbst deine Pfade.? (Sprichw?rter 3:5,6.)

Ich bezeuge, dass dies stimmt. Er hat nicht nur den Weg gezeigt, er hat mich manchmal sogar an die Hand genommen. ?Sein Weg ist der Pfad, der zum Gl?cklichsein hier auf der Erde und zu ewigem Leben in der k?nftigen Welt f?hrt.? (?Der lebendige Christus?, Liahona, April 2000, Seite 3.) Ich gebe euch mein Zeugnis, dass er lebt! Er h?rt eure Gebete und leitet euch Schritt f?r Schritt. Jesus Christus ist unser Vorbild und f?hrt uns. Bleibt auf dem Weg! Seid sittsam. Haltet an euren B?ndnissen fest und seid w?rdig, den Heiligen Geist als Begleiter zu haben. Der Herr verhei?t: ?Seid guten Mutes, denn ich werde euch weiter f?hren. Das Reich ist euer und seine Segnungen sind euer und die Reicht?mer der Ewigkeit sind euer.? (LuB 78:18.) Ich stehe wahrhaftig erstaunt und bewundernd da angesichts ?seines unvergleichlichen Lebens und der unendlichen Macht seines gro?en S?hnopfers.? (?Der lebendige Christus?, Liahona, April 2000, Seite 2; Hervorhebung hinzugef?gt.) Im Namen Jesu Christi. Amen.