Pr?sident James E. Faust
Zweiter Ratgeber in der Ersten Pr?sidentschaft
Meine Br?der, heute m?chte ich so zu euch sprechen, als w?rt ihr meine Enkel. Das, was ich zu sagen habe, trifft, wie ich hoffe, auf alle jungen Priestertumstr?ger weltweit zu. Wenn ich an diese gro?e Versammlung denke und auch daran, dass uns ?ber Satellit viele weitere tausend Teilnehmer zugeschaltet sind, wird mir bewusst, dass der gro?artige Segen, das Priestertum Gottes zu tragen, angesichts der Milliarden Menschen auf dieser Welt nur einigen wenigen vorbehalten ist. Das Priestertum zu tragen ist eine herausragende Ehre, und doch kann es jeder w?rdige Mann oder Junge ab zw?lf Jahren in der Kirche empfangen.
Das Priestertum ist die dem Menschen verliehene Vollmacht, im Namen Gottes zu wirken. Es ist eine Macht, die sich niemand aus sich selbst heraus aneignen kann. Es ist so, wie Paulus einst sagte: ?Und keiner nimmt sich eigenm?chtig diese W?rde, sondern er wird von Gott berufen, so wie Aaron.?1 Es ist eine Macht, die kein Mensch hervorbringen kann.
Ein junger Priester namens Peter schreibt von einer Erfahrung, die ihn gelehrt hat, dass die Macht des Priestertums ganz real ist. Ein junger Bekehrter wurde in seiner Gemeinde in Ontario in Kanada als Lehrer im Aaronischen Priestertum best?tigt, und Peter wurde gebeten, als ?Stimme? bei der Ordinierung zu dienen. Peter schreibt: ?Noch nie hatte ich jemandem die H?nde aufgelegt, und ich f?hlte mich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Aber dann versicherte der Geist mir, dass ich es tun sollte. ?
Der Junge, der ordiniert werden sollte, setzte sich auf einen Stuhl, und ich stellte mich direkt hinter ihn. [Unser JM-Leiter] sprach mir das Ordinierungsgebet vor und ich sagte jedes Wort nach. Am Ende der Ordinierung sagten wir: ?Und jetzt m?chten wir dir einen Segen geben.? Dann sah [der JM-Leiter] mich an und ich wusste, dass ich nun auf mich gestellt war.
In diesem Augenblick bekam das Priestertum f?r mich eine ganz neue Bedeutung. Es war nicht mehr nur ein Titel, sondern wirklich die Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln. Und nun ?bertrug ich diese Vollmacht einem anderen Menschen. Ich hielt inne und wartete, dass der Geist mir eingab, was ich sagen sollte. Es ist schwer zu schildern, was ich w?hrend des Segens empfand, aber ich kann sagen, dass mein Zeugnis von der Macht des Priestertums jetzt st?rker ist als vorher.?2
Ihr jungen M?nner freut euch bestimmt darauf, das h?here oder Melchisedekische Priestertum zu empfangen. ?ber dieses h?here Priestertum sagte der Prophet Joseph Smith einst: ?Es wurde schon vor Gr?ndung der Erde eingerichtet, als ?alle Morgensterne jauchzten, als jubelten alle Gottess?hne?, und ist das h?chste und heiligste Priestertum; es ist nach der Ordnung des Sohnes Gottes.?3
Als Priestertumstr?ger sind wir Beauftragte des Herrn. Im Jahr 1831 sprach der Herr zu den ?ltesten der Kirche in Kirtland ?ber diesen heiligen Auftrag: ?Darum, da ihr Beauftragte seid, steht ihr im Auftrag des Herrn; und was immer ihr gem?? dem Willen des Herrn tut, das ist des Herrn Angelegenheit.?4
Pr?sident Hinckley erinnert uns oft daran, dass die Missionsarbeit im Wesentlichen eine Aufgabe des Priestertums ist. Es ist eine gro?e Ehre und Verantwortung, wenn man dazu berufen ist, dem Herrn durch Missionsarbeit zu dienen. Dieser Dienst f?hrt zu bleibender Freude, obwohl er auch schwierig und gelegentlich entmutigend sein kann. Meine Mission hat den Lauf meines Lebens ver?ndert. Sie war eine der gro?artigsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe. Eine Mission zu erf?llen bereitet uns auf die ganze ?brige Arbeit im Leben und in der Ewigkeit vor.
Ich hoffe, dass aus jedem von euch ein Mann Gottes wird. Ihr werdet zu einem Mann Gottes, indem ihr rechtschaffen handelt. Ihr werdet das Priestertum ehren und gro? machen und, wie der Apostel Paulus sagte, ?unerm?dlich nach Gerechtigkeit, Fr?mmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut [streben]?.5
Es ist nicht immer leicht, einem rechtschaffenen Plan zu folgen und den Gesetzen der Gesellschaft und dem Gesetz des Herrn zu gehorchen. Auf lange Sicht ist jedoch das Befolgen der Regeln immer noch der beste Weg, s?mtliche vom Herrn verhei?enen Segnungen zu erlangen.
Wir alle m?ssen f?r unser Tun Rechenschaft ablegen. Meine Erfahrung als Anwalt hat mich gelehrt, dass diejenigen, die in ihrem Leben Verbrechen begehen, oft ihren Eltern oder der Gesellschaft die Schuld geben, wenn sie ins Gef?ngnis m?ssen. Und doch haben sie sich bewusst dazu entschieden, ?gegen die Natur Gottes? zu handeln, und sind folglich ?in einem Zustand, der der Natur des Gl?cklichseins entgegen ist?.6 Manche von ihnen behaupten sogar: ?Der Teufel hat mich dazu verleitet!? Wahr an dieser Aussage ist, dass uns der Teufel dazu verlockt, B?ses zu tun.7 Falsch ist, dass wir dagegen machtlos sind. Der Teufel kann uns nicht zu irgendetwas verleiten, was wir nicht tun wollen.8
Schlingen und Fallgruben k?nnen uns allen gef?hrlich werden, ob wir in unserer Jugend, im mittleren Alter oder schon ?lter sind. Jemand hat einmal bemerkt: ?In unserer Jugend laufen wir den Schwierigkeiten in die Arme, wenn wir ?lter sind, laufen die Schwierigkeiten uns in die Arme!?9 Die zunehmende Freiz?gigkeit in unserer Gesellschaft erfordert von uns, dass wir die eiserne Stange der Rechtschaffenheit fest umklammern, um die Segnungen und den Schutz des Herrn zu empfangen. Es liegt eine gro?e Gefahr darin, mit den Verlockungen des Satans leichtfertig umzugehen. Alle Tage unseres Lebens m?ssen wir uns gegen jede Form des B?sen absichern.
All ihr jungen M?nner, die ihr das Priestertum tragt, habt die Pflicht, die Frauen zu achten. Wenn ihr die liebenswerten jungen Frauen in der Kirche ausf?hrt, habt ihr die Pflicht, f?r ihre k?rperliche Sicherheit zu sorgen und ihre Tugend zu bewahren. Das Priestertum, das ihr tragt, erlegt euch die gr??ere Verantwortung auf, daf?r zu sorgen, dass die hohen sittlichen Ma?st?be der Kirche immer eingehalten werden. Ihr seid nicht so dumm, die Grenze des Erlaubten bei der sexuellen Anziehung ausloten zu wollen. Wenn ihr diese Grenze ?berschreitet und die gro?artige F?higkeit zur Fortpflanzung missbraucht, verliert ihr einen Teil dessen, was an euch heilig ist. Wie kann irgendjemand von uns hoffen, in Zeit oder Ewigkeit eine bedeutende Rolle zu spielen, wenn wir uns nicht einmal selbst beherrschen k?nnen? Eine der gr??ten Segnungen im Leben und in Ewigkeit ist es, mit einer rechtschaffenen Frau verheiratet zu sein, die den Herrn liebt, euch liebt und das Priestertum achtet. Das habe ich aus meiner bis jetzt ?ber sechzig Jahre dauernden Ehe mit meiner Frau Ruth gelernt.
Freunde und Bekannte tragen sehr zur Bereicherung des Lebens bei, jedoch k?nnen diese Beziehungen vor?bergehend sein. Niemand liebt euch mehr oder sorgt sich mehr um euer Wohlergehen als eure Eltern. Ihr m?gt vielleicht in Frage stellen, was sie euch sagen, aber ihr k?nnt ihre Liebe f?r euch und ihr Interesse an eurem Wohlergehen nie in Frage stellen.
Es wird die Zeit kommen, in der ihr jungen M?nner die Verantwortung tragen werdet, f?r eine Frau und f?r Kinder zu sorgen, die von euch abh?ngig sind. Sobald ihr heiratet und eine Familie gr?ndet, werdet ihr verantwortlich f?r das Wohlergehen eurer Frau und schlie?lich auch f?r das Wohlergehen eurer Kinder. Ehe und Vaterschaft k?nnen zu gro?em, ewigem Gl?ck und ewiger Freude f?hren. Wie Pr?sident Joseph F. Smith gesagt hat, ist es das Familienleben, ?worauf die Regierung der Kirche gegr?ndet ist und auf dessen Basis sie fortbesteht?.10 Um die h?chste Erf?llung in der Familie zu finden, m?ssen beide Partner in der Ehe einander v?llig verpflichtet sein. Pr?sident David O. McKay sagte einmal: ?Wenn man die Gesch?fte oder das Vergn?gen f?r wichtiger h?lt als die Familie, schl?gt man den Weg ein, der abw?rts f?hrt und den Charakter schw?cht.?11
Einige von euch sind wohl auf gutem Wege, einige eurer Ziele im Leben zu erreichen. Wir sind stolz auf euch. Mein Vater sagte mir einmal, er h?tte geglaubt, es mit dem Abschluss des Jurastudiums geschafft zu haben. Er sagte mir, tats?chlich sei sein Abschluss eigentlich erst der Anfang gr??erer Herausforderungen gewesen. In diesem Leben werden wir es weder vollends geschafft haben noch frei von weltlichen Herausforderungen sein.
Wir leben in einem Zeitalter der Spezialisierung. Als ich ein Junge war, besa?en viele Leute einen Ford ?Model T?. Verglichen mit einem modernen Auto war dieser ziemlich einfach konstruiert. Viele konnten ihr Auto selbst reparieren, indem sie Ventile schliffen, Kolbenringe tauschten, neue Bremsb?nder einsetzten und mit Verpackungsdraht nicht sparten. Heutzutage sind die Automobile so hochentwickelt, dass ein Durchschnittsmensch kaum etwas dar?ber wei?, wie man sie reparieren kann. Die heutigen Automechaniker benutzen einen Computer, um Motorprobleme aufzusp?ren. Ich erw?hne dieses Beispiel, um euch junge M?nner zu Schulung und Ausbildung anzuhalten, damit ihr mithalten k?nnt. Eine fachliche Ausbildung ist sehr wichtig, und dasselbe gilt f?r den Bereich der h?heren Ausbildung. Jede Qualifikation erfordert besonderes Fachwissen.
Es ist mir gleich, welchen Beruf ihr im Leben ergreift, solange er nur ehrenwert ist. Wie ihr f?r eure Familie sorgen werdet, ist eure Entscheidung. Sich zu qualifizieren ist gut, damit man seine Rechnungen bezahlen kann, aber dar?ber hinaus sollte es doch noch mehr pers?nliches Engagement geben. Lasst euch nicht so sehr von den materiellen Dingen des Lebens beherrschen, dass ihr dar?ber das Wesen eurer Menschlichkeit verliert. Vielleicht kennt ihr die Figur von Charles Dickens, Jacob Marley, der sich lauthals mit folgenden Worten ?ber seine Arbeitswut beklagte: ?Gesch?ft! ? Der Mensch w?re mein Gesch?ft gewesen! Das allgemeine Wohl w?re mein Gesch?ft gewesen!?12 Jeder von uns sollte eine Rolle bei der St?rkung der Gesellschaft spielen, vor allem, indem das Werk Gottes getan wird.
Ich habe gelernt, dass f?r diejenigen unter uns, die das Priestertum tragen, die beste Erfolgsformel diese ist: ?Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.?13 Erfolg stellt sich nicht sofort ein, sondern erfordert Vorbereitung und harte Arbeit. Es gibt wirklich keine Abk?rzung zum Erfolg.
Jeder von uns wurde von unserem himmlischen Vater als einzigartige Pers?nlichkeit erschaffen. Es gibt keine zwei unter uns, die vollkommen gleich sind. Niemand sonst hat genau die gleichen Gaben und Talente wie wir erhalten. Wir sollten diese Talente und Gaben mehren und sie dazu nutzen, unsere Einzigartigkeit wirksam einzusetzen. Dort, wo ich aufwuchs, gab es beispielsweise einen talentierten jungen Mann in unserer Nachbarschaft, der zwar kein Gelehrter war, daf?r aber sch?ne M?bel von Hand anfertigte. Wir beide wurden am selben Tag zum Milit?rdienst eingezogen. Er lernte es nie, sein Bett so zu machen, dass es der Kontrolle standhielt, aber daf?r konnte er aus einem St?ck Holz ein erlesenes Kunstwerk schnitzen. Pr?sident Howard W. Hunter hat einmal gesagt: ?Manche Menschen haben die Vorstellung, dass Talent, sch?pferische Begabung, sittliche Best?ndigkeit oder Gr??e nicht in den Gefilden der Jugend vorzufinden, sondern den ?lteren vorbehalten sind. Dem ist nicht so.?14
Auf euch junge M?nner wartet eine gro?artige, verhei?ungsvolle Zukunft. Ihr habt Zugang zu Wissen, wie es die Welt nie zuvor gekannt hat. Dieses Wissen erm?glicht es euch, euren Beitrag zur Zukunft der modernen Gesch?ftswelt, zur Industrie, zur Landwirtschaft und zu anderen Berufszweigen zu leisten. Vielleicht geh?rt ihr zu denen, die ihre ?berzeugung auf dem Schlachtfeld verteidigen. Ihr werdet zu denjenigen geh?ren, die die Grunds?tze des Evangeliums weltweit verbreiten und der Kirche helfen zu wachsen.
Und nun geht voran, meine lieben Enkel und all ihr besonderen jungen M?nner, die meine Stimme erreichen kann. Geht im Glauben und in Rechtschaffenheit voran und folgt dem Rat unseres Propheten, Pr?sident Gordon B. Hinckley. Wenn ihr dies tut, wird der Herr euch st?rken und euch gro? machen, sodass ihr Gro?es erreichen k?nnt. Ich bezeuge, dass das Priestertum in meinem Leben einen bedeutenden und tiefgreifenden Einfluss gehabt hat. In all den langen Lebensjahren habe ich nie versucht zu verheimlichen, wer ich bin und woran ich glaube. Ich kann mich an keinen einzigen Fall erinnern, bei dem ich, indem ich bescheiden zu erkennen gab, ein Mitglied dieser Kirche zu sein, meine Karriere gef?hrdet oder einen teuren Freund verloren h?tte. Dieses Zeugnis und diesen Segen gebe ich euch heute im Namen Jesu Christi. Amen.