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177th Annual General Conference, April 2007

Das Priestertum ? eine heilige Gabe

Pr?sident Thomas S. Monson
Erster Ratgeber in der Ersten Pr?sidentschaft

Es ist unsere Pflicht, unser Leben so zu f?hren, dass wir immer des Priestertums w?rdig sind, das wir tragen.

Br?der, wir sind heute Abend als eine machtvolle Versammlung des Priestertums sowohl hier im Konferenzzentrum als auch an anderen Orten ?berall in der Welt zusammengekommen. Es ist mir eine Ehre, zu Ihnen sprechen zu d?rfen. Ich bete darum, dass die Inspiration des Herrn meine Gedanken f?hren und mir das eingeben wird, was ich sagen soll.

Als ich in den vergangenen Wochen ?berlegte, was ich Ihnen heute Abend sagen soll, musste ich immer wieder daran denken, welcher Segen es doch ist, dass wir das heilige Priestertum Gottes tragen. Wenn wir die Welt als Ganzes betrachten, mit ihren ?ber sechseinhalb Milliarden Bewohnern, wird uns klar, dass wir eine sehr kleine, auserw?hlte Gruppe darstellen. Wir, die wir das Priestertum tragen, sind, wie es der Apostel Petrus sagte, ?ein auserw?hltes Geschlecht, eine k?nigliche Priesterschaft?.1

Pr?sident Joseph F. Smith hat das Priestertum definiert als ?die Kraft Gottes, die dem Menschen ?bertragen wurde und ihn bef?higt, hier auf der Erde zur Errettung der Menschen zu wirken, ? durch die [der Mensch] den Willen Gottes kundtun kann, so als ob Engel hier w?ren und dies selbst t?ten; durch die der Mensch erm?chtigt ist, auf Erden etwas zu binden, und es wird auch im Himmel gebunden sein, und auf Erden etwas zu l?sen, und es wird auch im Himmel gel?st sein.? Er f?gte hinzu: ?[Das Priestertum] ist heilig und muss von den Mitgliedern heilig gehalten werden.?2

Meine Br?der, das Priestertum ist eine Gabe, die nicht nur besondere Segnungen mit sich bringt, sondern auch ernste Pflichten. Es ist unsere Pflicht, unser Leben so zu f?hren, dass wir immer des Priestertums w?rdig sind, das wir tragen. Wir leben in einer Zeit, in der wir von vielem umgeben sind, was uns auf Pfade locken soll, die zu unserer Vernichtung f?hren k?nnen. Um solche Pfade zu meiden, braucht man Entschlossenheit und Mut.

Was z?hlt, ist Mut. Diese Wahrheit ist mir vor vielen Jahren auf h?chst eindringliche und dramatische Weise klar geworden. Ich war damals Bischof. Die allgemeine Versammlung unserer Pfahlkonferenz fand in der Assembly Hall auf dem Tempelplatz in Salt Lake City statt. Unsere Pfahlpr?sidentschaft sollte umgebildet werden. Tr?ger des Aaronischen Priestertums, darunter auch Mitglieder von Bischofschaften, sorgten f?r die Musik. Als wir unser erstes Lied gesungen hatten, trat Pr?sident Joseph Fielding Smith, die besuchende Autorit?t, ans Rednerpult und verlas die Namen der neuen Pfahlpr?sidentschaft und legte sie zur Best?tigung vor. Dann sagte er, dass Percy Fetzer, der unser neuer Pfahlpr?sident wurde, sowie John Burt, der Erster Ratgeber wurde, ? beide waren Ratgeber in der bisherigen Pr?sidentschaft gewesen ? vor Beginn der Konferenz ?ber ihre neue Berufung informiert worden waren. Doch dann erkl?rte er, dass ich, der ich als Zweiter Ratgeber in die neue Pr?sidentschaft berufen worden war, davon nichts gewusst und erst davon erfahren hatte, als mein Name zur Best?tigung vorgelegt wurde. Dann verlautete er: ?Wenn Bruder Monson bereit ist, diese Berufung anzunehmen, freuen wir uns, nun von ihm zu h?ren.?

Als ich am Pult stand und auf das Meer von Gesichtern hinabblickte, musste ich an das Lied denken, das wir soeben gesungen hatten. Es handelte vom Wort der Weisheit und trug den Titel: ?Hab Mut, mein Junge, sag Nein!? Ich nahm also meine Berufung an und sprach ?ber das Thema: ?Hab Mut, mein Junge, sag Ja!? Immer wieder m?ssen wir unseren Mut beweisen ? den Mut, f?r unsere ?berzeugung einzustehen, den Mut, unsere Aufgaben zu erf?llen, den Mut, unser Priestertum zu ehren.

Wohin wir auch gehen, unser Priestertum begleitet uns. Stehen wir an ?heiligen St?tten??3 Pr?sident J. Reuben Clark Jr., der viele Jahre lang Ratgeber in der Ersten Pr?sidentschaft war, hat gesagt: ?Das Priestertum ist kein Anzug, den man ausziehen und sp?ter wieder anziehen kann. ? Abh?ngig von uns selbst [kann es] eine immerw?hrende Gabe sein.? Weiter sagte er: ?Wenn wir wirklich die ? ?berzeugung [h?tten] ?, dass wir [das Priestertum] nicht beiseite legen k?nnen und dass Gott uns zur Rechenschaft ziehen wird, wenn wir es [herabw?rdigen], hielte es uns davon ab, so manches zu tun und manche Orte aufzusuchen. Wenn wir immer dann, wenn wir einen kleinen Abstecher vom geraden und engen Pfad machen wollen, denken: ?Ich nehme auch mein Priestertum dorthin mit. Sollte ich das tun??, dauert es gar nicht lange, bis wir wieder auf dem geraden und engen Pfad sind.?4

Pr?sident Spencer W. Kimball hat gesagt: ?Der Macht des Priestertums, das Sie tragen, sind keine Grenzen gesetzt. Die Grenzen ziehen Sie, wenn Sie nicht im Einklang mit dem Geist des Herrn leben, und Sie begrenzen selbst die Macht, die Sie aus?ben.?5

Meine Br?der im Priestertum ? vom j?ngsten bis zum ?ltesten ? gestalten Sie Ihr Leben so, wie der Herr es verlangt? Sind Sie w?rdig, das Priestertum Gottes zu tragen? Wenn Sie es nicht sind, dann fassen Sie hier und jetzt den Entschluss dazu, bringen Sie den n?tigen Mut auf und nehmen Sie alle erforderlichen ?nderungen vor, damit Ihr Leben so wird, wie es sein soll. Um die See des Erdenlebens sicher zu ?berqueren, brauchen wir die F?hrung des ewigen Seemanns ? ja, des gro?en Jahwe. Wenn wir im Auftrag des Herrn handeln, haben wir auch ein Anrecht auf seine Hilfe.

In meinem Leben habe ich unz?hlige Male erlebt, wie er mir geholfen hat. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ich achtzehn Jahre alt und wurde zum ?ltesten ordiniert ? eine Woche, bevor ich meinen Dienst in der Marine antrat. Ein Bruder aus der Bischofschaft meiner Gemeinde war am Bahnhof, um mir Lebewohl zu sagen. Kurz vor der Abfahrt des Zuges gab er mir ein Buch in die Hand, das ich Ihnen hier zeige. Es tr?gt den Titel: Handbuch f?r Missionare. Ich lachte und meinte: ?Ich gehe zur Marine, nicht auf Mission.? Er antwortete: ?Nimm es trotzdem. Vielleicht kannst du es gebrauchen.?

Und so war es dann auch. In der Grundausbildung zeigte uns unser Kompaniechef, wie wir unsere Kleidung am besten im gro?en Seesack unterbringen konnten. Er gab uns den Rat: ?Wenn ihr einen harten, rechteckigen Gegenstand habt, den ihr unten in den Sack legen k?nnt, verrutschen die Kleidungsst?cke nicht so leicht.? Ich dachte: Woher bekomme ich einen harten, rechteckigen Gegenstand? Da fiel mir genau der passende rechteckige Gegenstand ein, n?mlich das Handbuch f?r Missionare. So erwies es sich 12 Wochen lang unten in dem Seesack als n?tzlich.

Am Abend vor unserem Weihnachtsurlaub dachten wir wie immer an zu Hause. In der Kaserne war es still. Pl?tzlich merkte ich, dass mein Kamerad im Bett neben mir ? Leland Merrill, ein Mitglied der Kirche ? vor Schmerzen st?hnte. Ich fragte: ?Was ist los, Merrill??

Er antwortete: ?Mir ist so furchtbar schlecht.?

Ich riet ihm, zum Krankenrevier zu gehen, aber er meinte, dass er dann gewiss nicht ?ber Weihnachten nach Hause d?rfe. Ich legte ihm dann nahe, ruhig zu sein, damit er nicht die ganze Kaserne aufweckt.

Die Stunden zogen sich dahin, und er st?hnte immer lauter. Schlie?lich fl?sterte er verzweifelt: ?Monson, du bist doch ?ltester, oder?? Das bejahte ich, und daraufhin bat er mich: ?Gib mir einen Segen.?

Mir wurde schlagartig bewusst, dass ich noch nie einen solchen Segen gespendet und auch noch nie einen bekommen hatte. Ich war auch noch nie bei einem solchen Segen dabei gewesen. Inst?ndig betete ich zu Gott, er m?ge mir helfen. Und es kam die Antwort: ?Schau unten in deinen Seesack.? Also leerte ich um zwei Uhr morgens meinen Seesack aus. Dann las ich im Licht der Nachtlampe in jenem harten, rechteckigen Gegenstand ? dem Handbuch f?r Missionare ? nach, wie man einen Krankensegen gibt. Mit etwa hundertzwanzig neugierigen Matrosen als Zuschauern gab ich Merrill Leland einen Segen. Noch ehe ich meine Sachen wieder eingepackt hatte, schlief er schon wie ein Kind.

Am n?chsten Morgen drehte er sich l?chelnd zu mir um und sagte: ?Monson, ich bin froh, dass du das Priestertum hast!? Seine Freude wurde nur von meiner Dankbarkeit ?bertroffen ? nicht nur f?r das Priestertum, sondern auch daf?r, dass ich w?rdig war, in einer Notsituation die erforderliche Hilfe zu bekommen und die Macht des Priestertums auszu?ben.

Br?der, unser Herr und Heiland hat gesagt: ?Komm und folge mir nach!?6 Wenn wir seine Einladung annehmen und ihm nachfolgen, wird er uns den Weg weisen.

Im April 2000 erlebte ich diese F?hrung. Rosa Salas Gifford, die ich nicht kannte, hatte mich angerufen. Sie erkl?rte, dass ihre Eltern aus Costa Rica f?r ein paar Monate zu Besuch seien, und nur eine Woche vor ihrem Anruf war bei ihrem Vater, Bernardo Agusto Salas, Leberkrebs festgestellt worden. Sie erz?hlte, die ?rzte hatten der Familie gesagt, ihr Vater werde nur noch ein paar Tage leben. Dann sagte sie, es sei der gro?e Wunsch ihres Vaters, mich vor seinem Tod kennenzulernen. Sie gab mir ihre Adresse in Salt Lake City und fragte, ob ich nicht vorbeikommen und ihren Vater besuchen k?nne.

Aufgrund von Sitzungen und Verpflichtungen kam ich erst ziemlich sp?t aus dem B?ro. Doch ich fuhr nicht gleich nach Hause, denn ich f?hlte mich gedr?ngt, weiter nach S?den zu fahren und Bruder Salas noch an diesem Abend zu besuchen. Ich hatte die Adresse zur Hand und versuchte, das Haus zu finden. Es war ziemlich viel Verkehr, und es wurde langsam dunkel. Ich fuhr an der Stelle vorbei, wo die Stra?e mit dem Haus h?tte abzweigen m?ssen. Ich konnte nichts entdecken. Ich gebe allerdings nicht so schnell auf. Ich fuhr einmal um den Block und kam zur?ck. Wieder nichts. Noch einmal versuchte ich es, und noch immer sah ich die Stra?e nicht. In mir kam das Gef?hl auf, dass ich jetzt ruhigen Gewissens nach Hause fahren k?nne. Ich hatte mir ja alle M?he gegeben, aber ich konnte das Haus einfach nicht finden. Stattdessen betete ich still um Hilfe. Ich wurde inspiriert, aus der Gegenrichtung auf diese Gegend zuzufahren. Ich fuhr ein St?ck weiter, wendete und war nun auf der anderen Seite der Stra?e. Auf dieser Seite war auch viel weniger Verkehr. Als ich mich der Stelle wieder n?herte, konnte ich in dem schwachen Licht ein umgefallenes Stra?enschild sehen, das zur Seite gedreht am Stra?enrad lag ? und einen fast unsichtbaren, unkraut?bers?ten Feldweg, der zu einem kleinen Wohnblock und einem einzelnen, winzigen Haus f?hrte, das etwas weiter von der Hauptstra?e entfernt war. Als ich auf die H?user zufuhr, winkte mir ein kleines M?dchen in einem wei?en Kleid zu, und da wusste ich, dass ich die Familie gefunden hatte.

Ich wurde hineingebeten und dann in das Zimmer geleitet, in dem Bruder Salas lag. Um das Bett herum sa?en drei T?chter und ein Schwiegersohn sowie Schwester Salas. Alle au?er dem Schwiegersohn waren aus Costa Rica. Man konnte Bruder Salas ansehen, wie schlimm es um ihn stand. Ein ausgefranstes, feuchtes Tuch ? kein Handtuch oder Waschlappen, ein feuchtes Tuch mit ausgefransten R?ndern ? lag auf seiner Stirn und verdeutlichte, in welch bescheidenen wirtschaftlichen Verh?ltnissen die Familie lebte.

Nach einigem Zureden ?ffnete Bruder Salas die Augen, und ein schwaches L?cheln huschte ?ber seine Lippen, als ich seine Hand nahm. Ich sagte: ?Ich bin hergekommen, weil ich Sie besuchen wollte.? Tr?nen stiegen ihm in die Augen ? und mir auch.

Ich fragte, ob er einen Segen haben wolle, und alle in der Familie waren damit einverstanden. Da der Schwiegersohn nicht das Priestertum trug, gab ich dem Mann allein einen Priestertumssegen. Die Worte flossen mir dank der F?hrung durch den Geist des Herrn regelrecht aus dem Mund. Ich zitierte darin auch die Worte des Heilands aus Lehre und B?ndnisse, Abschnitt 84, Vers 88: ?Ich werde vor [deinem] Angesicht hergehen. Ich werde zu [deiner] rechten Hand sein und zu [deiner] linken, und mein Geist wird in [deinem] Herzen sein und meine Engel rings um [dich], um [dich] zu st?tzen.? Nach dem Segen sprach ich den trauernden Angeh?rigen noch ein wenig Mut zu. Ich w?hlte meine Worte mit Bedacht, damit sie mein Englisch verstehen konnten. Und dann sagte ich ihnen in dem bisschen Spanisch, das ich beherrsche, dass ich sie lieb habe und dass unser Vater im Himmel sie segnen wird.

Ich lie? mir die Familienbibel geben und zeigte ihnen Johannes 3, Vers 4: ?Ich habe keine gr??ere Freude, als zu h?ren, dass meine Kinder in der Wahrheit leben.? Ich sagte ihnen: ?Das ist es, was Ihr Ehemann und Vater Ihnen mit auf den Weg geben m?chte, da er sich jetzt bereitmacht, dieses irdische Leben zu verlassen.?

Bruder Salas? lieber Frau liefen die Tr?nen ?bers Gesicht, als sie mich dann noch bat, die Angaben f?r die beiden Schriftstellen, die ich angef?hrt hatte, aufzuschreiben, damit die Familie sie nachlesen k?nne. Ich hatte gerade nichts zum Schreiben bei der Hand, also ?ffnete Schwester Salas ihre Handtasche und holte einen Zettel heraus. Als ich ihn nahm, sah ich, dass es eine Zehntenquittung war. Ich war sehr ber?hrt, als mir bewusst wurde, dass die Familie trotz ihrer ?rmlichen Umst?nde treu den Zehnten zahlte.

Nach einem bewegenden Abschied wurde ich zum Auto zur?ckgebracht. Als ich nach Hause fuhr, dachte ich ?ber den besonderen Geist nach, den wir versp?rt hatten. Und ich f?hlte ? wie schon so oft in der Vergangenheit ? Dankbarkeit daf?r, dass mein Vater im Himmel durch mich das Gebet eines anderen Menschen erh?rt hatte.

Meine Br?der, denken wir immer daran: Das Priestertum Gottes, das wir tragen, ist eine heilige Gabe, die uns und denjenigen, denen wir dienen, die Segnungen des Himmels schenkt. M?gen wir, wo auch immer wir sein m?gen, dieses Priestertum ehren und sch?tzen. M?gen wir immer im Auftrag des Herrn handeln, damit wir immer ein Anrecht auf seine Hilfe haben.

Es tobt ein Krieg um die Seelen der Menschen ? Ihre und meine. Er geht unvermindert weiter. Wie ein Fanfarensto? ergeht das Wort des Herrn an Sie und mich und an die Tr?ger des Priestertums ?berall: ?Darum lasst nun einen jeden seine Pflicht lernen und mit allem Eifer das Amt aus?ben lernen, zu dem er bestimmt worden ist.?7

M?gen wir alle den Mut dazu haben. Darum bete ich im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. 1 Petrus 2:9
  2. Gospel Doctrine, 5. Auflage, 1939, Seite 139f.
  3. LuB 45:32; 87:8; 101:22
  4. Herbst-Generalkonferenz 1951
  5. The Teachings of Spencer W. Kimball, Hg. Edward L. Kimball, 1982, Seite 498
  6. Lukas 18:22
  7. LuB 107:99