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177th Annual General Conference, April 2007

Es ist doch wahr, oder? Was ist dann noch wichtig?

Elder Neil L. Andersen
von der Pr?sidentschaft der Siebziger

Unsere ?berzeugung vom Erretter und von seinem Werk in den Letzten Tagen wird zu einer starken Lupe, durch die wir alles andere beurteilen.

Ich habe heute eine Aussage Pr?sident Hinckleys von der Fr?hjahrs-Generalkonferenz 1973 als Thema gew?hlt.

Ich war gerade von meiner Mission zur?ckgekehrt. Es schien so viel vor mir zu liegen. W?rde ich f?hig sein, mein Leben lang stets die richtigen Entscheidungen zu treffen?

Dann erz?hlte Elder Gordon B. Hinckley, dass er einen jungen Marineoffizier aus Asien kennengelernt hatte. Der Offizier war kein Christ gewesen, hatte aber w?hrend seiner Ausbildung in den Vereinigten Staaten die Kirche kennengelernt und sich taufen lassen. Nun bereitete er sich darauf vor, in sein Heimatland zur?ckzukehren.

Pr?sident Hinckley fragte den Offizier: ?Ihre Verwandten sind keine Christen. Was wird geschehen, wenn Sie als Christ nach Hause kommen, noch dazu als Mormone??

Sein Blick verfinsterte sich und er erwiderte: ?Meine Familie wird entt?uscht sein. ? Und was meine Zukunft und meine Karriere betrifft, so bleiben mir vielleicht alle M?glichkeiten verschlossen.?

Pr?sident Hinckley fragte: ?Sind Sie denn bereit, f?r das Evangelium einen so hohen Preis zu zahlen??

Seine dunklen Augen waren von Tr?nen feucht, als er mit einer Frage antwortete: ?Es ist doch wahr, oder??

Pr?sident Hinckley antwortete: ?Ja, es ist wahr.?

Woraufhin der Offizier erwiderte: ?Was ist dann noch wichtig??1

All die Jahre habe ich ?ber diese Worte nachgedacht: ?Es ist doch wahr, oder? Was ist dann noch wichtig?? Diese Fragen haben mir geholfen, schwierige Fragen aus der richtigen Perspektive zu betrachten.

Die Sache, in der wir t?tig sind, ist wahr. Wir achten den Glauben unserer Freunde und Nachbarn. Wir sind alle S?hne und T?chter Gottes. Wir k?nnen viel von anderen gl?ubigen und tugendhaften M?nnern und Frauen lernen, wie Pr?sident Faust uns so gut dargelegt hat.

Wir wissen jedoch, dass Jesus der Messias ist. Er ist auferstanden. Das Priestertum Gottes ist in unserer Zeit durch den Propheten Joseph Smith wiederhergestellt worden. Wir haben die Gabe des Heiligen Geistes. Das Buch Mormon ist genau das, was wir von ihm behaupten. Die Verhei?ungen des Tempels sind gewiss. Der Herr selbst hat die einzigartige Mission der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage verk?ndet ? n?mlich dass sie ?der Welt ein Licht? und ?ein Bote sei, den Weg vor [ihm] zu bereiten?2, w?hrend ?das Evangelium bis an die Enden der Erde hinrollen?3 wird.

Es ist doch wahr, oder? Was ist dann noch wichtig?

Nat?rlich ist f?r jeden von uns etwas anderes wichtig. Als ich mit 21 Jahren Pr?sident Hinckleys Ansprache h?rte, musste ich mich ernsthaft meinem Studium widmen; ich brauchte eine Arbeit, um mein Studium zu finanzieren, musste irgendwie herausfinden, wie ich eine bestimmte junge Frau davon ?berzeugen konnte, dass sie es mit mir versuchen sollte, und ging weiteren sinnvollen Besch?ftigungen nach.

Wie finden wir uns in all dem, was von Bedeutung ist, zurecht? Wir vereinfachen und kl?ren unsere Sichtweise. Manches ist schlecht und muss gemieden werden, manches ist sch?n, manches ist wichtig, und manches ist absolut unerl?sslich. Der Erretter hat gesagt: ?Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.?4

Glaube ist nicht nur ein Gef?hl. Glaube ist eine Entscheidung. Durch Gebet, Studium, Gehorsam und B?ndnisse entwickeln und st?rken wir unseren Glauben. Unsere ?berzeugung vom Erretter und von seinem Werk in den Letzten Tagen wird zu einer starken Lupe, durch die wir alles andere beurteilen. Wenn wir dann vor den Feuerproben im Leben stehen ? wie Elder Oaks erkl?rt hat ? haben wir die Kraft, den richtigen Weg einzuschlagen.

Pr?sident Hinckley hat das so ausgedr?ckt: ?Wenn jemand durch eine starke ?berzeugung von der Wahrheit motiviert wird, so ?bt er sich nicht in Selbstdisziplin, weil die Kirche es von ihm fordert, sondern wegen der Erkenntnis, die er im Herzen tr?gt.?5

Sind wir ausreichend motiviert durch eine ?starke ?berzeugung von der Wahrheit?? Spiegeln unsere Entscheidungen diese Beweggr?nde wider? Werden wir zu dem Menschen, der wir sein wollen? Es ist doch wahr, oder? Was ist dann noch wichtig?

Wir wissen, was richtig ist. Vor ein paar Jahren war Kathy, meine Frau, bei unseren vier Enkelkindern, w?hrend deren Eltern fort waren. Unser vierj?hriger Enkel gab seinem kleinen Bruder einen kr?ftigen Schubs. Nachdem Kathy das weinende Kind getr?stet hatte, wandte sie sich dem Vierj?hrigen zu und fragte bed?chtig: ?Warum schubst du denn deinen kleinen Bruder?? Er schaute seine Gro?mutter an und antwortete: ?Omi, es tut mir leid. Ich habe meinen WdR-Ring verloren und kann jetzt nicht das Rechte w?hlen.? Wir m?ssen vorsichtig sein, denn Ausreden k?nnen unseren Fortschritt behindern.

Im Herzen der Heiligen der Letzten Tage ist unter den V?lkern und Kulturen in der ganzen Welt eine starke ?berzeugung von der Wahrheit zu finden. Diese Glaubensst?rke bringt das Werk des Gottesreiches voran.

Vor vielen Jahren standen meine Frau und ich einer tapferen Schwester in Frankreich bei, als ihr Mann, der noch keine vierzig Jahre alt war, verstarb. Die Verantwortung, ihre vier kleinen Kinder allein in Rechtschaffenheit zu belehren und zu f?hren, schien ?berw?ltigend zu sein. Und doch haben 16 Jahre sp?ter ihre drei S?hne eine Mission erf?llt, und ihre Tochter hat im Tempel geheiratet.

Ich kenne einen Bruder in Brasilien, der sich mit sechzehn Jahren als einziger aus seiner Familie der Kirche anschloss. Als es Zeit f?r ihn war, auf Mission zu gehen, waren seine Eltern dagegen. W?hrend seiner Mission h?rte er nichts von ihnen, und als er zur?ckkam, wohnte er bei der Familie seines Bischofs. Aber die Geschichte hat ein gl?ckliches Ende, denn jetzt hat er eine wunderbare Familie und arbeitet als Zahnarzt, und seine Eltern w?nschten sich, er k?nnte seine Br?der dazu bewegen, dass sie sich auch f?r die Kirche interessieren.

Ich kenne einen Bruder in Lateinamerika, der nach seiner Taufe beschloss, dass er nicht nur seinen Zehnten, sondern auch seine Steuern ehrlich zahlen wollte ? etwas, was seine Konkurrenten nicht taten. Der Herr segnete ihn f?r seine Ehrlichkeit.

Viele Opfer werden im Stillen gebracht: Der zur?ckgekehrte Missionar, der seine Pflicht, eine Partnerin f?r die Ewigkeit zu finden, nicht aufschiebt; die gute Frau, die sich Kinder w?nscht und ihr Leben damit zubringt, diese liebevoll in der Wahrheit aufzuziehen; die Familie, die den geistig abstumpfenden Einfluss der Medien und des Internets mit Bedacht einschr?nkt; der Mann und die Frau, die mehr Zeit daf?r finden, gemeinsam im Tempel zu sein.

Auch Kinder k?nnen diese Lupe des Glaubens entwickeln. Vor kurzem habe ich Jugendliche in Seoul kennengelernt, die aufgrund eines strengen Stundenplans erst sehr sp?t abends nach Hause kommen und doch an f?nf Tagen in der Woche morgens um 6.00 Uhr am Seminar teilnehmen. Ich wei? von einem 8-j?hrigen Baseballspieler, einem Star in seiner Mannschaft, der seinem Trainer von sich aus erkl?rte, dass er nicht am Endspiel teilnehmen k?nne, weil es an einem Sonntag stattfinden sollte.

Viele der stillen Taten, die tiefem Glauben entspringen, sind nur Gott bekannt. Aber sie sind im Himmel aufgezeichnet. Es ist doch wahr, oder? Was ist dann noch wichtig?

Der Erretter hat gesagt: ?Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.?6

Ich bezeuge, dass dies wahr ist und dass es tats?chlich wichtig ist. Im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. Siehe ?Es ist doch wahr!?, Der Stern, Oktober 1993, Seite 3ff; siehe auch ?The True Strength of the Church,? Ensign, Juli 1973, Seite 48
  2. LuB 45:9
  3. LuB 65:2
  4. Johannes 17:3
  5. Siehe Der Stern, Oktober 1993, Seite 4
  6. Matth?us 6:33