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177th Annual General Conference, April 2007

Ich wei?, dass mein Erl?ser lebt!

Pr?sident Thomas S. Monson
Erster Ratgeber in der Ersten Pr?sidentschaft

Weil unser Erretter auf Golgota gestorben ist, hat der Tod keine dauerhafte Macht ?ber uns.

Vor kurzem habe ich einige Familienalben durchgebl?ttert. Sch?ne Erinnerungen kamen mir in den Sinn, als ich immer mehr Bilder von geliebten Menschen ansah, die sich bei Familienausfl?gen, Geburtstagen, Familientreffen und an Jahrestagen trafen. Seit diese Fotos geschossen wurden, sind einige dieser lieben Angeh?rigen von uns gegangen. Mir fielen die Worte des Herrn ein: ?Ihr sollt liebevoll miteinander leben, sodass ihr ?ber den Verlust derer, die sterben, weinen sollt.?1 Ich vermisse jeden Einzelnen, der unseren Familienkreis verlassen hat.

Mit dem Tod umzugehen ist zwar schwierig und schmerzlich, aber er ist ein wesentlicher Bestandteil des Erdenlebens. Wir haben unsere irdische Reise damit begonnen, dass wir das Vorherdasein verlie?en und auf diese Erde kamen. Der Dichter Wordsworth hat diese Reise in seiner inspirierten ?Ode an die Unsterblichkeit? in Worte gefasst:

Geburt, das ist nur Schlaf und ein Vergessen:
Die Seele, die aufgeht mit uns, die unsres Lebens Stern,
ein anderes Zuhaus hat sie besessen
und kommt daher von fern:
Nicht alles sie vergessen hat,
nicht gleicht sie unbeschriebnem Blatt:
Nach uns ziehend Wolkenglanz und Glorienschein,
von Gott wir kommen, er ist unser Heim:
Der Himmel uns umgibt in Kindertagen!2

Das Leben geht weiter. Auf die Kindheit folgt die Jugend, und ehe man sich versieht, ist man erwachsen. Wenn wir den Sinn und die Probleme des Lebens ergr?nden und dar?ber nachdenken, stellt sich uns allen fr?her oder sp?ter die Frage nach der Dauer des Lebens und ob man selbst immerw?hrendes Leben haben kann. Diese Fragen dr?ngen sich uns am meisten auf, wenn ein geliebter Mensch von uns geht oder wenn wir damit konfrontiert sind, diejenigen, die wir lieben, zur?cklassen zu m?ssen.

In solchen Zeiten denken wir ?ber die alle betreffende Frage nach, die Ijob vor Jahrhunderten gestellt hat: ?Wenn einer stirbt, lebt er dann wieder auf??3

Heute wie schon von jeher ziehen Skeptiker das Wort Gottes in Zweifel, und jeder muss sich entscheiden, wem er zuh?ren will. Clarence Darrow, ein ber?hmter Rechtsanwalt und Agnostiker, ?u?erte: ?Kein Leben hat viel Wert, und ? jeder Tod ist nur ein kleiner Verlust.?4 Schopenhauer, der deutsche Philosoph und Pessimist, schrieb: ?Der Wunsch nach Unsterblichkeit ist der Wunsch nach ewiger Fortsetzung eines gro?en Fehlers.?5 Zu ihren Worten kommen die j?ngerer Generationen hinzu, wenn t?richte Menschen den Messias erneut kreuzigen ? sie tasten seine Wunder an, bezweifeln seine G?ttlichkeit und bestreiten seine Auferstehung.

Robert Blatchford griff in seinem Buch ?Gott und mein N?chster? energisch allgemein anerkannte christliche ?berzeugungen wie Gott, Christus, Gebet und Unsterblichkeit an. Er erkl?rte k?hn: ?Ich behaupte, dass ich alles, was ich beweisen wollte, so umfassend und ma?geblich bewiesen habe, dass kein Christ, wie gro?artig und f?hig er auch sein mag, meine Argumente widerlegen oder meinen Standpunkt ersch?ttern kann.?6 Er umgab sich mit einer Mauer des Zweifels. Dann geschah etwas Unerwartetes. Seine Mauer zerfiel pl?tzlich zu Staub. Er blieb ohne Schutz und Verteidigung zur?ck. Langsam tastete er sich zur?ck auf den Weg zu dem Glauben, den er verachtet und verspottet hatte. Was hatte diesen grundlegenden Wandel seiner Sichtweise bewirkt? Seine Frau war gestorben. Voller Kummer ging er in das Zimmer, in dem ihre sterblichen ?berreste lagen. Er blickte noch einmal in das Gesicht, das er so sehr geliebt hatte. Als er aus dem Zimmer kam, sagte er zu einem Freund: ?Sie ist es, und sie ist es doch nicht. Nichts ist mehr, wie es war. Etwas, was vorher da war, ist fortgenommen worden. Sie ist nicht mehr dieselbe. Was wurde fortgenommen, wenn nicht die Seele??

Sp?ter schrieb er: ?Der Tod ist nicht das, was einige Menschen sich vorstellen. Es ist nur so, als gehe man in einen anderen Raum. In diesem anderen Raum finden wir ? die teuren Frauen und M?nner und die s??en Kinder, die wir geliebt und verloren haben.?7

Gegen die Zweifel der heutigen Welt an der G?ttlichkeit Christi suchen wir einen Bezugspunkt, eine unanfechtbare Quelle, ja, das Zeugnis von Augenzeugen. Stephanus, der in biblischer Zeit den grausamen M?rtyrertod erleiden musste, blickte zum Himmel auf und rief: ?Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.?8

Wen ?berzeugt nicht das bewegende Zeugnis, das Paulus den Korinthern gab? Er hat verk?ndet: ?Christus ist f?r unsere S?nden gestorben, gem?? der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gem?? der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zw?lf. ? Als Letztem von allen?, so Paulus, ?erschien er auch mir.?9

In unserer Evangeliumszeit ist dieses Zeugnis unerschrocken vom Propheten Joseph Smith verk?ndet worden, der mit Sidney Rigdon bezeugt hat: ?Und nun, nach den vielen Zeugnissen, die von ihm gegeben worden sind, ist dies, als letztes von allen, das Zeugnis, das wir von ihm geben: Dass er lebt!?10

Dieses Wissen h?lt uns aufrecht und verleiht uns Kraft. Diese Wahrheit tr?stet. Diese Zusicherung f?hrt den, der von Kummer gebeugt ist, aus dem Schatten ins Licht.

1997 traf ich Heiligabend eine bemerkenswerte Familie. Jedes ihrer Mitglieder hatte ein unersch?tterliches Zeugnis von der Wahrheit und Wirklichkeit der Auferstehung. Die Familie bestand aus Mutter, Vater und vier Kindern. Jedes der Kinder ? drei S?hne und eine Tochter ? war mit einer seltenen Form der Muskeldystrophie geboren worden, und jedes war behindert. Mark, der damals 16 Jahre alt war, hatte sich einer Operation an der Wirbels?ule unterzogen, durch die er sich besser bewegen k?nnen sollte. Die anderen beiden Jungen, Christopher, 13, und Jason, 10, sollten in ein paar Tagen nach Kalifornien fahren, um sich der gleichen Operation zu unterziehen. Die einzige Tochter, Shanna, war damals f?nf Jahre alt ? ein h?bsches M?dchen. Alle Kinder waren intelligent und voller Glauben, und es war offensichtlich, dass ihre Eltern, Bill und Sherry, auf jedes einzelne stolz waren. Wir unterhielten uns eine Zeit lang, und der besondere Geist der Familie erf?llte mein B?ro und mein Herz. Der Vater und ich gaben den beiden Jungen, denen die Operation bevorstand, einen Segen, und dann fragten die Eltern, ob die kleine Shanna f?r mich singen d?rfe. Ihr Vater deutete an, dass sie eine verminderte Lungenkapazit?t habe und es ihr m?glicherweise schwer fallen w?rde, aber sie w?rde es gern versuchen. Begleitet von einer Kassettenaufnahme und mit einer wundersch?nen, klaren Stimme, die keinen einzigen Ton verfehlte, sang sie von einer besseren Zukunft:

Ich tr?ume von einem herrlichen Tag
in einer Welt, wie ich sie gern s?h;
einem herrlichen Ort, wo die Sonne mich mag,
denn sie scheint nur f?r mich aus der H?h.
Und w?rde an diesem Wintertag
mein Wunsch irgendwie wahr gemacht,
dann k?me der Tag, den ich mir ertr?umt,
hier und heut in aller Pracht.11

Wir alle waren sichtlich ger?hrt, als sie endete. Die geistige Stimmung bei diesem Besuch bestimmte in dem Jahr die Atmosph?re meines Weihnachtsfestes.

Ich blieb mit der Familie in Kontakt, und als der ?lteste Sohn, Mark, neunzehn wurde, wurde ihm erm?glicht, eine besondere Mission am Hauptsitz der Kirche zu erf?llen. Schlie?lich hatten auch die anderen beiden Br?der die Gelegenheit, eine solche Mission zu erf?llen.

Vor nicht ganz einem Jahr erlag Christopher mit 22 der Krankheit, von der jedes der Kinder geplagt war. Und im vergangenen September erhielt ich die Nachricht, dass die kleine Shanna, nun 14 Jahre alt, verstorben war. Beim Trauergottesdienst wurde Shanna auf erhebende Weise die letzte Ehre erwiesen. Ihre beiden ?berlebenden Br?der, Mark und Jason, mussten Halt am Rednerpult suchen, als sie von zu Herzen gehenden Familienerlebnissen berichteten. Shannas Mutter bot ein wundersch?nes Lied im Duett dar. Shannas Vater und Gro?vater hielten ergreifende Reden. Trotz ihres Kummers gaben beide machtvoll und aus tiefstem Herzen Zeugnis von der Wirklichkeit der Auferstehung und dass Shanna tats?chlich noch lebt, genau wie ihr Bruder Christopher, und dass beide die herrliche Wiedervereinigung mit ihrer geliebten Familie erwarten.

Als es an mir war zu sprechen, erz?hlte ich von dem Besuch der Familie in meinem B?ro fast neun Jahre zuvor und sprach von dem sch?nen Lied, das Shanna damals gesungen hatte. Ich schloss mit dem Gedanken: ?Weil unser Erretter auf Golgota gestorben ist, hat der Tod keine dauerhafte Macht ?ber uns. Shanna lebt, sie ist heil und es geht ihr gut, und f?r sie ist dieser herrliche Tag, von dem sie an einem besonderen Heiligabend 1997 sang, der Tag, den sie sich ertr?umt, hier und heut.?

Meine Br?der und Schwestern, wir lachen, wir weinen, wir arbeiten, wir spielen, wir lieben, wir leben. Und dann sterben wir. Der Tod ist unser aller Erbe. Alle m?ssen durch sein Tor schreiten. Der Tod erhebt Anspruch auf die Alten, die M?den und die Ersch?pften. Er kommt zu den Jungen, in der Bl?te ihrer Hoffnung und auf dem H?hepunkt ihrer Erwartungen. Selbst kleine Kinder sind vor seiner Hand nicht sicher. Der Apostel Paulus hat es so ausgedr?ckt: ?Es [ist] dem Menschen bestimmt ?, ein einziges Mal zu sterben.?12

Und w?re da nicht ein Mann und seine Mission gewesen, n?mlich Jesus von Nazaret, dann w?rden wir tot bleiben. Er wurde in einem Stall geboren, in eine Krippe gelegt. Seine Geburt erf?llte die inspirierten Aussagen vieler Propheten. Er wurde aus der H?he belehrt. Er bereitete das Leben, das Licht und den Weg. Menschenmengen folgten ihm. Kinder liebten ihn. Die Hochm?tigen wiesen ihn ab. Er sprach in Gleichnissen. Er lehrte durch sein Beispiel. Er f?hrte ein vollkommenes Leben.

Der K?nig der K?nige und der Herr der Herren war gekommen, und doch wurde er von einigen begr??t wie ein Feind, ein Verr?ter. Es folgte ein Possenspiel, das einige als Gerichtsverhandlung bezeichneten. Der Ruf: ?Kreuzige ihn, kreuzige ihn!?13 t?nte durch die Luft. Dann begann der Aufstieg zum H?gel Golgota.

Er wurde verh?hnt, verlacht, verspottet, in den Schmutz gezogen und an ein Kreuz geschlagen; dabei ert?nte der Ruf: ?Der Messias, der K?nig von Israel! Er soll doch jetzt von seinem Kreuz herabsteigen, damit wir sehen und glauben.?14 ?Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.?15 Seine Reaktion: ?Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.?16 ?In deine H?nde lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus.?17 Sein K?rper wurde von liebevollen H?nden in eine aus Stein gehauene Grabkammer gelegt.

Am ersten Tag der Woche kamen Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, zusammen mit anderen fr?h am Morgen zum Grab. Sie waren verbl?fft, denn der K?rper ihres Herrn war nicht mehr da. Lukas berichtet, dass zwei M?nner in leuchtenden Gew?ndern zu ihnen traten und sagten: ?Warum sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.?18

N?chste Woche wird die christliche Welt das bedeutendste Ereignis in der aufgezeichneten Geschichte feiern. Die einfache Aussage ?Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden? war die erste Best?tigung der buchst?blichen Auferstehung unseres Herrn und Heilands, Jesus Christus. Das leere Grab an jenem ersten Ostermorgen brachte tr?stliche Gewissheit, eine bejahende Antwort auf Ijobs Frage: ?Wenn einer stirbt, lebt er dann wieder auf??19

F?r jeden, der einen geliebten Menschen verloren hat, k?nnen wir Ijobs Frage in eine Antwort umformen: Wenn einer stirbt, dann lebt er wieder auf. Wir wissen es, denn wir haben das Licht offenbarter Wahrheit. ?Ich bin die Auferstehung und das Leben?, so die Worte des Meisters. ?Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.?20

Inmitten der Tr?nen und Pr?fungen, inmitten der ?ngste und Sorgen, inmitten des Kummers und der Einsamkeit, die dem Verlust eines geliebten Menschen folgen, gibt es die Zusicherung immerw?hrenden Lebens. Unser Herr und Erretter ist daf?r ein lebendiger Zeuge.

Mit ganzem Herzen und aller Inbrunst meiner Seele erhebe ich als besonderer Zeuge meine Stimme zum Zeugnis und verk?nde, dass Gott lebt. Jesus ist sein Sohn, der Einziggezeugte des Vaters im Fleisch. Er ist unser Erl?ser, er ist unser Mittler beim Vater. Er ist am Kreuz gestorben, um f?r unsere S?nden zu s?hnen. Er war der Erste, der auferstand. Weil er starb, werden alle wieder leben. ?Welch Trost mir die Erkenntnis gibt: Ich wei?, dass mein Erl?ser lebt!?21 M?ge die ganze Welt dies wissen und nach dieser Erkenntnis leben, darum bete ich dem?tig. Im Namen Jesu Christi, des Herrn und Erretters. Amen.


Notes

  1. LuB 42:45
  2. William Wordsworth, ?Ode: Intimations of Immortality from Recollections of Early Childhood?, in The Oxford Book of English Verse, 1250?1900, Hg. Arthur Quiller-Couch, 1939, Seite 628
  3. Ijob 14:14
  4. The Story of My Life, 1932, Kapitel 47, Absatz 34
  5. Arthur Schopenhauer, in The Home Book of Quotations, Hg. Burton Stevenson, 1934, Seite 969
  6. God and My Neighbor, 1914
  7. Siehe More Things in Heaven and Earth: Adventures in Quest of a Soul, Robert Blatchford, 1925, Seite 11
  8. Apostelgeschichte 7:56
  9. 1 Korinther 15:3-5
  10. LuB 76:22
  11. ?The Beautiful Day?, aus dem Film Scrooge, 1970, Text und Musik von Leslie Bricusse
  12. Hebr?er 9:27
  13. Lukas 23:21
  14. Markus 15:32
  15. Markus 15:31
  16. Lukas 23:34
  17. Lukas 23:46
  18. Lukas 24:5,6
  19. Ijob 14:14
  20. Johannes 11:25,26
  21. ?Ich wei?, dass mein Erl?ser lebt?, Gesangbuch, Nr. 85; siehe auch Ijob 19:25