Susan W. Tanner
JD-Pr?sidentin
Unser Schwiegersohn sagte seiner 3-j?hrigen Tochter Eliza, dass sie beim Familienabend ?ber ein ganz besonderes Thema sprechen w?rden. Sie begann zu strahlen und versuchte, die ?berraschung zu erraten. ?Dann wird es wohl um mich gehen?, meinte sie, ?denn ich bin etwas ganz Besonderes!? Eliza wei? genau, wer sie ist ? ein ganz besonderes Kind Gottes. Das hat sie von ihrer Mutter gelernt, die Eliza von klein auf unser Er?ffnungslied, ?Ich bin ein Kind von Gott? (Gesangbuch, Nr. 202), als Schlaflied gesungen hat.
Auf der ganzen Welt und in fast jeder Sprache erkl?ren Junge Damen zwischen 12 und 18 Jahren das Gleiche: ?Wir sind T?chter unseres himmlischen Vaters, der uns liebt und den wir lieben.? (?Der JD-Leitgedanke?, Mein Fortschritt: Programm f?r Junge Damen, Seite 5,) Wenn sie jedoch ?lter werden, wird ihnen oft das selbstsichere Wissen der dreij?hrigen Eliza fremd, dass sie etwas ganz Besonderes sind. Jugendliche durchleben oft eine Identit?tskrise, in der sie sich fragen, wer sie wirklich sind. Wenn sie Teenager sind, findet auch eine Art ?Identit?tsdiebstahl? statt, denn die weltlichen Vorstellungen, Philosophien und T?uschungen verwirren uns, werfen uns hin und her und versuchen, uns des Wissens um unsere wahre Identit?t zu berauben.
Eine wunderbare Junge Dame sagte zu mir: ?Manchmal bin ich mir nicht sicher, wer ich bin. Ich kann die Liebe des himmlischen Vaters nicht sp?ren. Mein Leben erscheint mir schwer. Die Dinge entwickeln sich nicht so, wie ich es wollte, wie ich es mir erhofft und ertr?umt habe.? Jeder einzelnen Jungen Dame sage ich heute, was ich ihr damals sagte: Ich wei? ohne Zweifel, dass du eine Tochter Gottes bist. Er kennt dich, er liebt dich und er hat einen Plan f?r dich. Ich wei?, dass der himmlische Vater m?chte, dass ich euch dies sage.
Die neuzeitlichen Propheten und Apostel bezeugen unser g?ttliches Wesen. In der Proklamation an die Welt ?ber die Familie hei?t es: ?Jeder [von uns] ist ein geliebter Geistsohn beziehungsweise eine geliebte Geisttochter himmlischer Eltern und hat dadurch ein g?ttliches Wesen und eine g?ttliche Bestimmung.? (Liahona, Oktober 2004, Seite 49.) Auch Pr?sident Gordon B. Hinckley hat gesagt:
?Niemand kommt euch gleich. Ihr seid T?chter Gottes.
Etwas Sch?nes, Heiliges und G?ttliches ist euch mitgegeben. Vergesst das nie. Euer ewiger Vater ist der gro?e Herr des Universums. Er herrscht ?ber alles, und doch h?rt er die Gebete seiner T?chter, und er achtet auf das, was ihr ihm sagt. Er erh?rt eure Gebete. Er l?sst euch nicht allein.? (?Bleibt auf dem rechten Weg?, Liahona, Mai 2004, Seite 112.)
Wenn ihr die Erkenntnis, dass ihr eine Tochter Gottes seid, tief in eurer Seele verankert, wird sie euch zum Trost, st?rkt euren Glauben und beeinflusst euer Verhalten. Wenn ihr diese tugendhafte Wahrheit immerfort eure Gedanken zieren lasst, werdet ihr Vertrauen in der Gegenwart Gottes haben, wie das Motto f?r die gemeinsamen Aktivit?ten verspricht (siehe LuB 121:45).
Wie kann jede von uns wissen und sp?ren, dass sie eine Tochter des himmlischen Vaters ist? Zwischen Himmel und Erde befindet sich, sobald wir geboren sind, ein Schleier, ein ?Schlaf und ein Vergessen? (William Wordsworth, ?Ode: Intimations of Immortality from Recollections of Early Childhood?, 5. Strophe, Zeile 58). Dies ist notwendig, denn so k?nnen wir ?die Erfahrungen des irdischen Lebens machen, um [uns] auf die Vollkommenheit hin weiterzuentwickeln und letztlich als Erben ewigen Lebens [unsere] g?ttliche Bestimmung zu verwirklichen.? (Liahona, Oktober 2004, Seite 49.) Der himmlische Vater liebt uns und m?chte uns helfen, an ihn zu denken; deshalb gew?hrt er uns Einblicke in die Ewigkeit. Der Apostel Paulus lehrte: ?So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.? (R?mer 8:16.) Der Geist gibt uns einen kleinen Einblick, wer wir wirklich sind. Oft spricht der Geist dann zu uns, wenn wir beten, in den heiligen Schriften lesen, ?ber Gottes Barmherzigkeit nachsinnen, Priestertumssegen empfangen, anderen dienen oder deren Liebe und Best?tigung erfahren.
Mose erfuhr durch eine machtvolles geistiges Erlebnis, wer er war. Er sprach von Angesicht zu Angesicht mit Gott und erfuhr, dass er Gottes Sohn war und eine besondere Aufgabe zu erf?llen hatte. Nach diesem Erlebnis wurde Mose vom Satan bedr?ngt. Weil Mose jedoch die Herrlichkeit Gottes gesp?rt hatte, erkannte er, dass der Satan keine Herrlichkeit besa?. Da Mose wusste, dass er Gottes Sohn war und Gott einen Auftrag f?r ihn hatte, besa? er die Macht und die F?higkeit, dem Satan zu widerstehen, rechtschaffene Entscheidungen zu treffen, Gott um St?rke zu bitten und weiterhin den Geist des Herrn bei sich zu haben (siehe Mose 1).
Dies l?sst sich ebenso auf uns anwenden. Wenn wir erkennen und sp?ren, wer wir wirklich sind, k?nnen wir den Unterschied zwischen Gut und B?se erkennen und sind in der Lage, der Versuchung zu widerstehen. Eine M?glichkeit, den von Gott f?r uns vorgesehenen Auftrag zu verstehen, bietet sich uns durch den Patriarchalischen Segen. Er ist eine sehr konkrete pers?nliche Botschaft, die ein jeder von uns durch die Macht des Priestertums empfangen kann.
Eine andere M?glichkeit, geistige Einsichten ?ber unsere ewige Natur zu erhalten, besteht darin, dass unsere Eltern oder F?hrer in der Kirche uns dank inspirierter Ahnungen Gewissheit geben k?nnen, wer wir wirklich sind. Der Geist hat mir gelegentlich sehr ausdr?cklich etwas ?ber die wahre Identit?t meiner Kinder zugefl?stert. Ich erinnere mich noch, wie ich in der Nacht, bevor eines unserer Kinder geboren wurde, das deutliche Gef?hl hatte, dass dieses Baby jedem seiner Geschwister ein gro?artiger Freund und Helfer sein w?rde. Dies hat sich als absolut wahr erwiesen. Ein anderes Mal, als einer unserer Teenager sehr niedergeschlagen war, weil er in einen Autounfall verwickelt gewesen war, h?rte ich im Geist deutlich folgende Worte: ?Ich liebe dieses Kind und werde sein Leben f?hren.? So war es auch. Solche Eindr?cke hatte ich immer wieder. Wenn meine Kinder Ermutigung gebraucht haben, wurde ich mit Einblicken gesegnet, welche gro?artigen und edlen ewigen Geister meine Kinder doch sind.
Haben eure Mutter oder euer Vater euch jemals, wenn ihr das Haus verlassen habt, ermahnt: ?Vergiss nie, wer du bist!?? Was meinen sie damit? ?Denk daran, dass du zu einer Familie geh?rst, deren Ruf es zu wahren gilt!? Und, das ist sogar noch wichtiger: ?Denk daran, dass du ein Kind Gottes bist und dich dementsprechend verhalten musst!? Missionare tragen ein Namensschild als st?ndige Erinnerung, dass sie Repr?sentanten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind. Dadurch werden die Missionare daran erinnert, sich anst?ndig und ansprechend zu kleiden, andere Menschen h?flich zu behandeln und sich um das Abbild Christi in ihrem Gesichtsausdruck zu bem?hen. Sie m?ssen dies tun, denn mit diesem Namensschild tragen sie ihre Identit?t offen zur Schau. Durch ein B?ndnis haben auch wir alle den Namen Christi auf uns genommen. Sein Name sollte uns in unser Herz geschrieben sein. Und so wird auch von uns erwartet, uns wie w?rdige Kinder des himmlischen Vaters zu verhalten, der uns zumindest im ?bertragenen Sinne mit der Ermahnung zur Erde gesandt hat: ?Vergiss nicht, wer du bist!?
Als ich dazu berufen wurde, euch, den Jungen Damen dieser Kirche, zu dienen, wusste ich, dass ich mich entsprechend zu verhalten hatte. Eines Tages erhielt meine Tochter einen Strafzettel, weil sie ihr Auto, dessen Zulassungsplakette abgelaufen war, auf der Stra?e geparkt hatte. Ich nahm die Sache selbst in die Hand und marschierte in das Geb?ude der Stadtverwaltung, um zu erkl?ren, dass die Zulassungspapiere noch auf dem Postweg zu uns unterwegs waren. Als ich entschlossen durch die T?r ging, sagte jemand zu mir: ?Ich wei?, wer Sie sind.? Das lie? mich innehalten und erinnerte mich daran, dass auch ich nicht vergessen durfte, wer ich bin ? nicht nur die JD-Pr?sidentin, sondern vor allem eine Tochter Gottes.
In allen Beziehungen m?ssen wir daran denken, dass die anderen ebenfalls Kinder des himmlischen Vaters sind. Als wir frisch verheiratet waren, sagte mein Mann mir des ?fteren: ?Ich habe dich nicht wegen deines Aussehens geheiratet.? Schlie?lich zog ich ihn ein wenig auf, indem ich antwortete: ?Das klingt ja nicht besonders schmeichelhaft.? Er erkl?rte mir, was ich eigentlich bereits wusste ? dass dies das h?chste Lob sei, das er aussprechen k?nne. Er sagte: ?Ich liebe dich aufgrund deines wahren und ewigen Wesens.? Der Herr hat gesagt: ?Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, ? Gott sieht n?mlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.? (1 Samuel 16:7.) In der Familie, im Freundeskreis, bei Verabredungen und in der Ehe sollten wir nicht nur auf Sch?nheit und bisherige Leistungen achten, sondern vielmehr auf Charakter, wahre Werte und unser ererbtes g?ttliches Wesen.
Junge Damen in einem Pfahl in Chile taten dies bei einem Zeltlager, indem sie ?ber die Tugenden der anderen Buch f?hrten. Jeden Tag lernten sie sich besser kennen und schrieben die inneren Werte nieder, die ihnen an jeder der Anwesenden auffielen. Am Ende des Lagers sprachen sie ?ber ihre Gedanken und halfen jeder Einzelnen, mehr G?ttliches in sich selbst zu erkennen. Ihre Leiterin sagte: ?Wir sonnten uns buchst?blich in diesem wunderbaren Geist der G?te und des guten Willens. Ich kann ehrlich sagen, dass ich keine einzige Klage von den M?dchen geh?rt habe! Im besonderen Geist gegenseitiger Anerkennung, der unter M?dchen im Teenageralter nicht oft zu finden ist, bl?hten sie f?rmlich auf. Es gab keine Konkurrenzk?mpfe, keinen Streit. Lager war ein kleines St?ck Himmel geworden.? (Pers?nliche Korrespondenz.) Die M?dchen erkannten und best?tigten das g?ttliche Wesen der anderen, und der Geist erf?llte das Zeltlager, als diesen tugendhaften Gedanken Ausdruck verliehen wurde.
Von C. S. Lewis stammt das kluge Wort: ?Es ist eine ernste Angelegenheit, in einer Welt von m?glichen G?ttern und G?ttinnen zu leben und sich st?ndig vor Augen zu halten, dass auch der langweiligste und uninteressanteste Mensch, mit dem wir hier zu tun haben, eines Tages ein Gesch?pf sein k?nnte, das wir, wenn wir es jetzt schon w?ssten, ernsthaft versucht w?ren zu verehren. ? Es gibt keine gew?hnlichen Menschen. ? N?chster [ist] das Heiligste, was sich uns in den Weg stellt.? (C. S. Lewis, Der Innere Ring, ?Das Gewicht der Herrlichkeit?, Seite 107f.)
Junge Damen in aller Welt, die wissen, dass sie und die anderen T?chter eines liebenden himmlischen Vaters sind, zeigen, dass sie ihn lieben, indem sie ein rechtschaffenes, beispielhaftes Leben f?hren und anderen dienen. Ich war sehr beeindruckt von den Jungen Damen, die in einem sehr hei?en und feuchten Teil von Brasilien anst?ndige Kleidung trugen. Sie sagten: ?Anstand ist keine Frage des Klimas. Es ist eine Sache des Herzens.? Diese Jungen Damen wussten, dass sie T?chter Gottes sind.
Ich war sehr ber?hrt, als ich erfuhr, was f?r gute Mitglieder die f?nf Sch?ler aus Idaho waren, die k?rzlich bei einem schrecklichen Unfall ertranken. Sie waren unter ihresgleichen und dort, wo sie wohnten, daf?r bekannt gewesen, dass sie nach rechtschaffenen Grunds?tzen lebten und geradezu vorbildlich tugendhaft und gesund waren. Diese Jugendlichen wussten, dass sie S?hne und T?chter Gottes sind.
Tief beeindruckt hat mich das Beispiel einer anderen Jungen Dame, deren Eltern sich scheiden lie?en. Sie will nicht, dass ihr j?ngerer Bruder und ihre j?ngeren Schwestern sich ungeliebt f?hlen, deshalb betet sie jeden Abend mit ihnen und sagt ihnen, dass sie sie liebt. Diese Junge Dame wei?, dass sie eine Tochter des himmlischen Vaters ist, der sie liebt, und sie liebt ihn, indem sie ihren Geschwistern Liebe erweist.
Ich war bewegt, als ich erfuhr, was Junge Damen in einem von Armut gezeichneten und politisch unterdr?ckten Gebiet der Welt taten. Trotz ihrer eigenen Schwierigkeiten trafen sich diese Jungen Damen zu einem Lager und ?berlegten, wie sie andere aufbauen konnten. Sie packten Hygienep?ckchen f?r bed?rftige Frauen. Sie dienten auch im Gemeinwesen, in Krankenh?usern und in Heimen. Durch ihr Verhalten zeigen diese Jungen Damen, dass sie verstanden haben, was es hei?t, eine Tochter Gottes zu sein. Mein Herz quillt vor Liebe ?ber f?r diese Jungen Damen und f?r die Jungen Damen in aller Welt. Ich wei?, dass ihr T?chter Gottes seid, der euch liebt.
Zum Abschluss m?chte ich euch von einem Erlebnis berichten, das mir kostbar, ja sogar heilig ist. Als ich neu als JD-Pr?sidentin berufen war, hatte ich gro?e Angst und f?hlte mich v?llig unzul?nglich. N?chtelang lag ich wach und machte mir Sorgen, ?bte Umkehr und weinte. Nach mehreren solchen N?chten machte ich eine sehr bewegende Erfahrung. Ich begann ?ber meine Nichten im JD-Alter nachzudenken, dann ?ber die Jungen Damen in meiner Nachbarschaft und Gemeinde, dann ?ber die Jungen Damen, die ich regelm??ig an der Highschool sah, und dann stellte ich mir die Jungen Damen in aller Welt vor, insgesamt mehr als eine halbe Million. Ein wundervolles, warmes Gef?hl begann mich einzuh?llen und zu durchdringen. Ich versp?rte eine ganz besondere Liebe f?r jedes einzelne dieser M?dchen, f?r jede von euch, und ich wusste, dass das, was ich versp?rte, die Liebe des himmlischen Vaters f?r sie war. Es war machtvoll und allumfassend. Erstmals versp?rte ich Frieden, denn nun wusste ich, was der himmlische Vater von mir erwartete. Er wollte, dass ich euch bezeuge, dass er euch ?ber alle Ma?en liebt. Und darum bezeuge ich euch noch einmal, dass ich ohne jeden Zweifel wei?, dass der himmlische Vater euch kennt und liebt. Ihr seid seine besonderen T?chter. Er hat einen Plan f?r euch, und er ist immer da, um euch zu f?hren, zu leiten und zu begleiten (siehe ?Ich bin ein Kind von Gott?). Ich bete aufrichtig darum, dass ihr dies wisst und sp?rt. Im Namen Jesu Christi. Amen.