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176th Semiannual General Conference, October 2006

Ein Schutz und eine Zuflucht

Pr?sident Boyd K. Packer
Amtierender Pr?sident des Kollegiums der Zw?lf Apostel

Wir bezeichnen die Kirche als unseren Schutz, unsere Zuflucht. In der Kirche finden wir Sicherheit und Schutz.

Am 26. Juli 1847, ihrem dritten Tag im Tal (der zweite war der Sabbat gewesen), bestieg Brigham Young mit einigen der Zw?lf Apostel und ein paar anderen einen Berggipfel, der ungef?hr zweieinhalb Kilometer von der Stelle entfernt ist, an der ich jetzt stehe. Sie hielten das f?r einen guten Platz, ein Panier f?r die Nationen aufzustellen. Heber C. Kimball trug ein gelbes Halstuch. Dieses banden sie an Willard Richards Gehstock und lie?en es hoch oben wehen, ein Panier f?r die Nationen. Brigham Young gab dem Ort den Namen Ensign Peak – Bannerspitze1.

Danach stiegen sie hinab zu ihren abgenutzten Wagen, zu den wenigen Habseligkeiten, die sie 3200 Kilometer weit mit sich gef?hrt hatten, und zu ihren von der Reise ersch?pften Mitstreitern. Nicht, was sie besa?en, gab ihnen Kraft, sondern das, was sie wussten.

Sie wussten, dass sie Apostel des Herrn Jesus Christus waren. Sie wussten, dass ihnen das Priestertum durch Engel gebracht worden war. Sie wussten, dass sie die Gebote und die B?ndnisse hatten, die der ganzen Menschheit die M?glichkeit zu Errettung und Erh?hung in der Ewigkeit boten. Sie waren sicher, dass sie vom Heiligen Geist inspiriert wurden.

Sie arbeiteten emsig daran, G?rten anzulegen und Unterk?nfte zu errichten, die ihnen im herannahenden Winter Schutz bieten sollten. Sie bereiteten die Ankunft derer vor, die bereits in der Pr?rie unterwegs waren und ihnen zu diesem neuen Sammelplatz folgten.

Eine Offenbarung, die neun Jahre zuvor niedergeschrieben worden war, wies sie an: „Erhebt euch und lasst euer Licht leuchten, damit es den Nationen ein Banner sei

und damit die Sammlung im Land Zion und in seinen Pf?hlen Schutz bewirke und eine Zuflucht sei vor dem Sturm und vor dem Grimm, wenn diese unvermischt ?ber die ganze Erde ausgegossen werden.“ (LuB 115:5,6.)

Sie sollten das „Licht“ sein – das „Banner“ und der „Ma?stab“.

Der Ma?stab, der durch Offenbarung festgelegt ist, ist in den heiligen Schriften in Form der Lehren des Evangeliums Jesu Christi enthalten. Die Grunds?tze des Evangeliums, an denen wir unser Leben ausrichten, beruhen auf der Lehre, und die Ma?st?be stimmen mit den Grunds?tzen ?berein. An die Ma?st?be sind wir durch B?ndnisse gebunden, die uns im Rahmen der heiligen Handlungen des Evangeliums durch diejenigen zug?nglich gemacht werden, die das Priestertum und die Schl?ssel der Vollmacht empfangen haben.

Diesen glaubenstreuen Br?dern war es nicht freigestellt – so wie es auch uns nicht freigestellt ist –, diese Ma?st?be zu ?ndern oder zu ignorieren. Wir m?ssen nach ihnen leben.

Es hilft uns nichts, einfach zu sagen, sie spielten keine Rolle. Wir wissen, dass sie eine Rolle spielen, denn alle Menschen sind „gen?gend unterwiesen, um Gut von B?se zu unterscheiden“ (2 Nephi 2:5).

Wenn wir unser Bestes geben, d?rfen wir uns nicht entmutigen lassen. Wenn wir versagen, was vorkommt, oder stolpern, was passieren kann, dann steht uns immer das Heilmittel der Umkehr und Vergebung zur Verf?gung.

Wir m?ssen unseren Kindern den sittlichen Ma?stab vermitteln, jede Form von Unsittlichkeit zu meiden. Die kostbaren Kr?fte, die ihrem irdischen K?rper innewohnen, „[d?rfen] nur zwischen einem Mann und einer Frau angewandt werden ? , die rechtm??ig miteinander verheiratet sind“2. In der Ehe m?ssen wir vollkommen treu sein.

Wir sollen das Gesetz des Zehnten befolgen. Wir erf?llen unsere Aufgaben in der Kirche. Wir versammeln uns jede Woche zur Abendmahlsversammlung, um unsere B?ndnisse zu erneuern und die Verhei?ungen zu erlangen, die in den einfachen und heiligen Gebeten f?r Brot und Wasser enthalten sind. Wir sollen das Priestertum ehren und uns an die B?ndnisse und Verordnungen halten.

Diese Br?der auf Ensign Peak wussten, dass sie ein einfaches Leben f?hren und sein Abbild in ihren Gesichtsausdruck aufnehmen sollten (siehe Alma 5:14).

Ihnen war klar, dass die Pf?hle ein Schutz und eine Zuflucht sein sollen, aber zu jener Zeit gab es nicht einen Pfahl auf der Erde. Sie wussten, dass es ihre Mission war, Zionspf?hle in jeder Nation der Erde aufzurichten.

Vielleicht haben sie sich gefragt, welche Art Grimm oder Sturm ihnen noch widerfahren k?nnte, den sie nicht schon erlebt hatten. Sie hatten brutale Verfolgung, Gewalt und Terror ertragen. Ihre H?user waren niedergebrannt, ihr Eigentum war ihnen genommen worden. Wieder und wieder waren sie aus ihren H?usern vertrieben worden. Sie wussten damals – wie auch wir jetzt wissen –, dass der Widerstand nicht enden w?rde. Seine Art ?ndert sich, aber er wird niemals aufh?ren. Herausforderungen wie die, denen die fr?hen Heiligen gegen?berstanden, w?rden niemals aufh?ren. Neue Herausforderungen w?ren zwar anders, aber sie w?ren nicht weniger schwierig als die, die sie bereits bestanden hatten.

Heute gibt es tausende Zionspf?hle, die ?berall in der Welt zu finden sind. Es gibt Millionen von Mitgliedern und ihre Zahl nimmt weiter zu. Beides kann nicht aufgehalten werden, denn dies ist das Werk des Herrn. Es gibt heute Mitglieder in 160 L?ndern und sie sprechen ?ber 200 Sprachen.

Manche leben mit einer unausgesprochenen Furcht vor dem, was uns und die Kirche in der Welt erwartet. Sie wird immer finsterer, was Sittlichkeit und Geistigkeit betrifft. Wenn wir uns in der Kirche sammeln, die einfachen Grunds?tze des Evangeliums befolgen, ein reines Leben f?hren, das Wort der Weisheit halten, unsere Priestertums- und sonstigen Pflichten erf?llen, dann brauchen wir keine Furcht zu haben. Das Wort der Weisheit ist ein Schl?ssel f?r einen gesunden K?rper und f?r das Empfangen von Offenbarung. Meiden Sie Tee, Kaffee, Alkohol, Tabak und Drogen.

Wir k?nnen dort leben, wo wir m?chten, und unser Bestes geben, um f?r unseren Lebensunterhalt zu sorgen – sei es wenig oder viel. Wir k?nnen frei w?hlen, wie wir unser Leben gestalten, und uns dabei gewiss sein, dass der Allm?chtige dem zustimmt oder sogar eingreift; wir k?nnen darauf vertrauen, best?ndig geistig gef?hrt zu werden.

Jeder Pfahl ist ein Schutz und eine Zuflucht und ein Banner. Jeder Pfahl ist eigenst?ndig und mit allem ausger?stet, was f?r die Errettung und Erh?hung derer notwenig ist, die sich in seinen Einfluss begeben, und Tempel sind n?her als je zuvor.

Der Widerstand hat nie aufgeh?rt. Es gibt Fehlinterpretationen und falsche Darstellungen von uns und unserer Geschichte, manche davon sind b?swillig und widersprechen ganz gewiss den Lehren Jesu Christi und seinem Evangelium. Manchmal wenden sich Geistliche oder sogar religi?se Organisationen gegen uns. Sie tun, was wir niemals tun w?rden. Wir greifen andere nicht an, kritisieren und bek?mpfen sie nicht, so wie sie es mit uns tun.

Sogar noch heute werden einige absurde Geschichten verbreitet und so oft wiederholt, bis man sie schlie?lich glaubt. Eine der albernsten davon ist, dass Mormonen H?rner haben.

Vor Jahren war ich bei einem Symposium an einer Hochschule in Oregon. Anwesend waren ein katholischer Bischof, ein Rabbi, je ein Geistlicher der Episkopalkirche, einer protestantischen Kirche sowie der Unitarier und ich.

Der Rektor der Hochschule, Dr. Bennett, hatte uns zu einem Fr?hst?ck eingeladen. Einer der Anwesenden fragte mich, welche meiner Frauen ich denn mitgebracht h?tte. Ich erkl?rte ihnen, dass ich nur eine zur Auswahl hatte. F?r eine Sekunde dachte ich, dass ich der Einzige sei, ?ber den man sich lustig machen wolle. Doch dann fragte jemand den katholischen Bischof, ob er seine Frau mitgebracht habe.

Die n?chste Frage kam von Dr. Bennett und ging wieder an mich: „Stimmt es, dass Mormonen H?rner haben?“

Ich schmunzelte und erwiderte: „Ich k?mme mir die Haare so, dass man sie nicht sieht.“

Dr. Bennett, der schon v?llig kahl war, legte sich beide H?nde auf den Kopf und sagte: „Oh! Aus mir k?nnen Sie dann nie einen Mormonen machen!“

Das Seltsamste aber ist, dass ansonsten intelligente Menschen behaupten, wir seien keine Christen. Das zeigt doch, dass sie wenig oder gar nichts ?ber uns wissen. Es ist ein wahrer Grundsatz, dass man sich nicht selbst erheben kann, indem man andere erniedrigt.

Manch einer meint, dass unsere hohen Ma?st?be Wachstum verhindern. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Hohe Ma?st?be sind wie ein Magnet. Wir sind alle Kinder Gottes und f?hlen uns zur Wahrheit und zum Guten hingezogen.

Wir stehen vor der Herausforderung, in einer Welt, in der die Wolken der Schlechtigkeit immer finsterer werden, Kinder gro?zuziehen. Einige unserer Mitglieder sind verunsichert und fragen sich manchmal: Gibt es einen Ort, an dem man all dem entrinnen kann? Gibt es eine andere Stadt oder ein anderes Land, in dem man sicher ist und Zuflucht finden kann? Die Antwort lautet eigentlich nein. Den Schutz und die Zuflucht gibt es dort, wo unsere Mitglieder jetzt leben.

Im Buch Mormon wird prophezeit: „Ja, und dann wird das Werk durch den Vater unter allen Nationen beginnen, um den Weg zu bereiten, wodurch sein Volk gesammelt werden kann, heim in das Land seines Erbteils.“ (3 Nephi 21:28.)

Diejenigen, die von der Welt in die Kirche kommen, die Gebote halten, das Priestertum ehren und sich aktiv beteiligen, haben die Zuflucht gefunden.

Vor einigen Wochen erinnerte uns Elder Robert C. Oaks, einer der sieben Pr?sidenten der Siebziger – ein Vier-Sterne-General und Befehlshaber der NATO-Luftstreitkr?fte in Mitteleuropa im Ruhestand –, in einer unserer Versammlungen an die Vereinbarung, die am 2. September 1945 von zehn Staaten an Bord des Schlachtschiffs Missouri in der Bucht von Tokio unterschrieben wurde und damit den 2. Weltkrieg beendete. Einige von uns waren zu dieser Zeit in Asien. Elder (General) Oaks sagte: „Ich kann mir f?r heute gar kein Umfeld vorstellen, in dem ein solches Treffen abgehalten werden k?nnte oder wo eine derartige Vereinbarung unterschrieben werden k?nnte, die den Krieg gegen den Terrorismus und das B?se beenden w?rde, in dem wir stehen. Dieser Krieg ist anders.“

Wir sollen uns nicht f?rchten, auch nicht in einer Welt, in der die Feindseligkeiten niemals aufh?ren werden. Der durch den Widerstand entfachte Krieg, der in den Offenbarungen prophezeit wurde, setzt sich heute fort. Wir sollen gl?cklich und optimistisch sein. Wir sollen uns nicht f?rchten. Furcht ist das Gegenteil von Glauben.

Wir wissen, dass sich in der Kirche alles um die Familie dreht. Wo auch immer in der Welt Mitglieder leben, sollten sie eine Familie gr?nden, in der Kinder willkommen sind und als eine „Gabe des Herrn“ (Psalm 127:3) gesch?tzt werden. Eine w?rdige Familie von Heiligen der Letzten Tage ist ein Banner und ein Ma?stab f?r die Welt.

Wir sollen nicht nur die h?chsten Ma?st?be wahren, sondern jeder von uns soll ein Ma?stab und ein Banner, ein Schutz, eine Zuflucht sein. „[Unser] Licht [soll] vor den Menschen leuchten, damit sie [unsere] guten Werke sehen und [unseren] Vater im Himmel preisen.“ (Matth?us 5:16; siehe auch 3 Nephi 12:16.)

All die M?hen und Strapazen der vergangenen Generationen haben uns in unseren Tagen die F?lle des Evangeliums Jesu Christi gebracht, die Vollmacht, zu dienen, und alles, was wir brauchen, um den geistlichen Dienst zu erf?llen. Alles l?uft in dieser Evangeliumszeit der F?lle zusammen, in der alles vollendet und die Erde auf das Kommen des Herrn vorbereitet wird.

Wir sind genau so ein Teil dieses Werkes wie die M?nner, die das gelbe Halstuch von Willard Richards Gehstock abgenommen haben und dann von der Ensign Peak hinabgestiegen sind. Dieses Tuch wehte hoch oben als Zeichen der gro?en Sammlung, die in alter wie in neuzeitlicher heiliger Schrift prophezeit worden war.

Wir bezeichnen die Kirche als unseren Schutz, unsere Zuflucht. In der Kirche finden wir Sicherheit und Schutz. Mittelpunkt ist das Evangelium Jesu Christi. Die Heiligen der Letzten Tage lernen, in sich zu gehen und die erl?sende Macht des Erretters der ganzen Menschheit zu erkennen. Die Grunds?tze des Evangeliums, die in der Kirche gelehrt werden und wie wir sie aus den heiligen Schriften lernen, werden f?r jeden Einzelnen von uns und f?r unsere Familien zur Richtschnur.

Wir wissen, dass die Familie, die wir gr?nden, und die Familien unserer Nachkommen die Zuflucht sein werden, von der in den Offenbarungen gesprochen wird – das „Licht“, das „Banner“, das „Zeichen“, das „Panier“ f?r alle Nationen und die „Zuflucht“ vor den sich zusammenbrauenden St?rmen (siehe LuB 115:5,6; Jesaja 11:12; 2 Nephi 21:12).

Das Panier, um das wir uns alle sammeln sollen, ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Einziggezeugte des Vaters, dessen Kirche dies ist und dessen Name wir tragen und dessen Vollmacht wir besitzen.

Wir schauen gl?ubig voran. Wir haben in unserem Leben vieles erlebt und viel wird noch geschehen, was unseren Mut fordern und unseren Glauben vergr??ern wird. Wir sollen uns „[freuen] und [jubeln]: [Unser] Lohn im Himmel wird gro? sein.“ (Matth?us 5:12.)

Verteidigen Sie bereitwillig die Geschichte der Kirche und „[sch?men Sie sich] des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt.“ (R?mer 1:16.)

Wir werden vor Herausforderungen stehen, denn wir k?nnen sie nicht umgehen, und das Evangelium Jesu Christi lehren und ihn als unseren Erretter und unsere Zuflucht, unseren Erl?ser, verk?nden.

Wenn ein abgetragenes gelbes Halstuch gut genug war, um der Welt ein Panier zu sein, dann k?nnen gew?hnliche M?nner, die das Priestertum tragen, und gew?hnliche Frauen und gew?hnliche Kinder in gew?hnlichen Familien, die ?berall auf der Welt nach besten Kr?ften nach dem Evangelium leben, als Banner und Ma?stab, als Schutz und als Zuflucht erstrahlen gegen all das, was noch ?ber die Erde ausgesch?ttet wird.

„Und wir reden von Christus, wir freuen uns ?ber Christus, wir predigen von Christus, wir prophezeien von Christus, und wir schreiben gem?? unseren Prophezeiungen, damit unsere Kinder wissen m?gen, von welcher Quelle sie Vergebung ihrer S?nden erhoffen k?nnen.“ (2 Nephi 25:26).

Diese Kirche wird gedeihen. Sie wird bestehen. Dessen bin ich absolut gewiss. Dies bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. Siehe Tagebuch von Wilford Woodruff, 26. Juli 1847, Archiv der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage; siehe auch B. H. Roberts, A Comprehensive History of the Church, 3:270f.
  2. „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Liahona, Oktober 2004, Seite 49