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176th Semiannual General Conference, October 2006

Er vertraut uns!

Elder Stanley G. Ellis
von den Siebzigern

Eines Tages werden wir alle vor Gott stehen und werden ihm einen Bericht dar?ber geben, wie wir im Priestertum gedient haben.

Vor einigen Jahren wurden meine Frau und ich berufen, ?ber die Brasilien-Mission S?o Paulo Nord zu pr?sidieren. Das bedeutete, dass wir drei Jahre fort sein w?rden. Angesichts unserer famili?ren und gesch?ftlichen Situation hatten wir den Eindruck, wir sollten unser Haus und unser Gesch?ft in Houston behalten und nicht verkaufen.

Als wir mit den notwendigen Vorbereitungen begannen, wurde uns klar, dass unser Anwalt eine Handlungsvollmacht vorbereiten musste. Dieses gesetzliche Dokument sollte jemanden bevollm?chtigen, in allen Angelegenheiten in unserem Namen zu handeln. Derjenige, auf den dieses Dokument ausgestellt war, konnte unser Haus oder anderen Besitz verkaufen, in unserem Namen Geld leihen, unser Geld ausgeben und sogar unser Gesch?ft verkaufen! Der Gedanke, jemandem so viel Macht und Vollmacht zu ?bertragen, um unsere Angelegenheiten zu regeln, war erschreckend.

Wir beschlossen, diese Handlungsvollmacht jemandem zu ?bertragen, dem wir vertrauten, einem guten Freund und Gesch?ftspartner, der diese Macht und Vollmacht sehr weise aus?bte. Er tat, was wir getan h?tten, w?ren wir selbst da gewesen.

Br?der, bedenken Sie, was der Herr uns gegeben hat ? seine Macht und Vollmacht! Die Macht und Vollmacht, in allen Angelegenheiten seines Werkes in seinem Namen zu handeln!

Mit dieser Priestertumsmacht und, wenn notwendig, mit der Erm?chtigung derer, die die entsprechenden Schl?ssel innehaben, k?nnen wir in seinem Namen die heiligen Handlungen der Errettung vollziehen: zur S?ndenvergebung taufen, konfirmieren und den Heiligen Geist spenden, das Priestertum ?bertragen, andere zu einem Amt im Priestertum ordiniere und die heiligen Handlungen des Tempels vollziehen. In seinem Namen k?nnen wir seine Kirche leiten. In seinem Namen k?nnen wir segnen, Heimlehrbesuche machen und sogar Kranke heilen.

Welch gro?es Vertrauen der Herr doch in uns setzt! Stellen Sie sich das vor, Br?der. Er vertraut uns!

Bevor wir das Priestertum empfangen haben, sind wir bereits vorbereitet und gepr?ft worden. Wir haben Glauben an Jesus Christus ausge?bt, sind umgekehrt, haben uns taufen lassen und die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Wie viel Erfahrung jeder mitgebracht hat, als er ordiniert wurde, ist unterschiedlich. Aber die g?ttliche Vorgehensweise ist die gleiche. Diejenigen, die Priestertumsschl?ssel innehaben, haben wegen uns gebetet und eine Unterredung mit uns gef?hrt. Wir sind von den Mitgliedern unserer Gemeinde best?tigt worden. Wir sind von jemandem ordiniert worden, der die Vollmacht und die Befugnis dazu hatte.

Der Herr geht mit seinem Priestertum sorgf?ltig um ? seine Macht und Vollmacht auszu?ben, ist eine heilige Treuhandschaft.

Wie wunderbar, dass wir das Vertrauen Gottes verdient haben! Er vertraut Ihnen! Er vertraut mir!

Wenn wir das Priestertum empfangen, empfangen wir es durch einen Bund. Ein Bund ist ein beiderseitiges Versprechen. Der Herr verspricht, uns unter bestimmten Bedingungen zu segnen. Wir versprechen, diese Bedingungen einzuhalten. Wenn wir das tun, erhalten wir den Segen. Der Herr h?lt immer sein Wort. Meistens gibt er uns mehr, als er zugesagt hat. Er ist sehr gro?z?gig.

Wenn wir das Melchisedekische Priestertum erhalten, empfangen wir den so genannten ?Eid und Bund? des Priestertums. Wir versprechen dem Herrn zweierlei, und er verspricht uns zweierlei. Wir versprechen, ?treu [zu sein], sodass [wir] diese zwei Priestert?mer erlangen? und treu unsere ?Berufung gro? [zu] machen?. Er verspricht, dass wir ?vom Geist geheiligt? werden. Wenn wir dann in allem bis zum Ende treu gewesen sind, verspricht er, dass uns ?alles gegeben [wird], was mein Vater hat? (LuB 84:33-41).

Der Herr segnet seine Kinder durch unseren Dienst im Priestertum. Um uns zu helfen, erfolgreich und glaubenstreu unseren Dienst im Priestertum zu verrichten, gibt er uns Anweisungen und Warnungen. Wir finden sie in den heiligen Schriften, und der Herr f?hrt uns auch weiterhin durch die F?hrer der Kirche und durch die Eingebungen des Heiligen Geistes.

In den heiligen Schriften gibt es einige Stellen mit Warnungen und Anweisungen f?r die Priestertumstr?ger. Eine der besten ist Abschnitt 121 im Buch Lehre und B?ndnisse. In diesen wenigen Versen belehrt uns der Herr, dass das Priestertum nur in Rechtschaffenheit ausge?bt werden kann. Wir sollen andere mit ?berzeugender Rede, Geduld und Wohlwollen behandeln. Der Herr erinnert uns daran, wie wichtig N?chstenliebe und Tugend sind, wenn wir den Heiligen Geist als unseren st?ndigen Begleiter haben m?chten.

In diesem Abschnitt werden wir auch vor einer Haltung und vor Handlungsweisen gewarnt, durch die wir unsere Priestertumsmacht verlieren. Wenn wir ?nach den Ehren der Menschen streben?, versuchen, ?unsere S?nden zu verdecken? oder ?unseren Stolz und eitlen Ehrgeiz zu befriedigen?, oder wenn wir ?Gewalt? ?ber andere aus?ben wollen, dann verlieren wir die Priestertumsmacht (siehe Vers 35 bis 37). Von da an w?rden wir Priesterlist aus?ben. Wir h?tten den Dienst Gottes verlassen und w?rden uns in den Dienst des Satans stellen.

Jeder Priestertumstr?ger tut gut daran, sich immer wieder mit Lehre und B?ndnisse, Abschnitt 121, zu befassen. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum unsere neuzeitlichen Propheten immer wieder betonen, dass wir w?rdig bleiben m?ssen, und uns die Brosch?re F?r eine starke Jugend als Anleitung und Hilfe gegeben haben.

Ein Grund, warum wir w?rdig bleiben m?ssen, ist, dass wir nie wissen, wann wir aufgefordert werden, das Priestertum auszu?ben.

Als unser Sohn Matthew f?nf war, fiel er am Pool unseres Nachbarn von einem hohen Sprungbrett. Er schlug auf dem Betonboden auf und erlitt eine Sch?delfraktur und eine Gehirnersch?tterung. Mit dem Hubschrauber wurde er zur Notfallbehandlung ins Houston Medical Center geflogen. Ich brauchte sofort Priestertumsunterst?tzung. Unser Heimlehrer und unser Priestertumsf?hrer waren beide w?rdig und bereit. Sie halfen mir, Matthew einen Segen zu geben, und er wurde wieder ganz gesund.

Wir m?ssen jederzeit bereit sein. Wie wir bei den Pfadfindern sagen: ?Allzeit bereit?.

Mit Sicherheit wollen wir Priesterlist vermeiden. Der Apostel Paulus warnt uns aber noch vor einer anderen Gefahr. Er warnte davor, dass es in unseren Tagen jene geben wird, die ?den Schein der Fr?mmigkeit ? wahren, doch die Kraft der Fr?mmigkeit ? verleugnen? (2 Timotheus 3:5).

Wie k?nnen wir als Priestertumstr?ger den Schein der Fr?mmigkeit wahren, aber die Kraft der Fr?mmigkeit verleugnen? K?nnte es sein, dass wir das Priestertum tragen, es aber nicht aus?ben? Machen wir einfach nur einen Besuch, anstatt wirklich Heimlehrer zu sein? Beten wir bei einer heiligen Handlung oder einer Ordinierung f?r jemanden, anstatt ihn zu segnen? Tun wir die Arbeit des Herrn nach unserem bestem Wissen, ohne vorher darum zu flehen, seinen Willen zu erkennen und ihn auf seine Weise zu tun?

Denken Sie daran, was der Herr uns durch Nephi geraten hat: ?Ihr [d?rft] vor dem Herrn nichts tun ?, ohne dass ihr zuallererst ? betet.? (2 Nephi 32:9.)

Vor Jahren war ich als Ratgeber in der Pr?sidentschaft des Pfahls Houston Nord in Texas berufen. Ich befasste mich mit dem Gleichnis vom anvertrauten Geld. Sie kennen sicher die Geschichte. Ein Mann musste auf Reisen gehen, also vertraute er seinen Dienern sein Verm?gen an. Einer erhielt f?nf Talente, ein anderer zwei, und der letzte erhielt eines. Als der Mann zur?ckkehrte, forderte er Rechenschaft.

Den Diener, der f?nf erhalten hatte und zehn zur?ckgab, und den, der zwei erhalten hatte und vier zur?ckgab, bezeichnete er als t?chtig und treu. Was aber meine Aufmerksamkeit erregte, war der eine, der ein Talent erhalten hatte, darauf aufgepasst und es seinem Herrn unversehrt zur?ckgegeben hatte. Die Reaktion seines Herrn ?berraschte mich: ?Du bist ein schlechter und fauler Diener ? darum nehmt ihm das Talent weg und ? werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die ?u?erste Finsternis!? (Siehe Matth?us 25:14-30.)

Diese Reaktion erschien mir barsch gegen?ber jemandem, der doch anscheinend versucht hatte, sich um das zu k?mmern, was ihm gegeben worden war. Aber der Geist brachte mir eine Wahrheit bei: Der Herr erwartet, dass wir etwas erreichen! Ich wusste in dem Moment, dass jeder von uns eines Tages vor Gott stehen und Rechenschaft ?ber seinen Dienst und seine Aufgaben im Priestertum geben wird. Haben wir etwas erreicht? War in meinem Fall der Pfahl Houston Nord bei meiner Entlassung besser als bei meiner Berufung?

Zum Gl?ck lehrt uns der Herr, wie wir Frucht bringen, wie wir etwas erreichen k?nnen. ?Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.? (Johannes 15:5.) Wenn wir sein Priestertum auf seine Weise aus?ben und der Weisung folgen, die wir von seinen Dienern und seinem Geist empfangen, sind auch wir gute und treue Diener!

Meine lieben Br?der im Priestertum, der Herr Jesus Christus, unser Erretter und Erl?ser, lebt! Er kennt uns, er liebt uns. Er setzt sein Vertrauen in uns, indem er uns die Macht und Vollmacht seines Priestertums gibt. Ich bin Zeuge dieser Wahrheit. M?gen wir seine Macht und Vollmacht dazu nutzen, seinen Willen auf seine Art zu tun ? darum bete ich.

Wenn wir nun von Pr?sident Hinckley, Pr?sident Monson und Pr?sident Faust h?ren, so bezeuge ich, dass jeder von ihnen ein Prophet, Seher und Offenbarer ist. Ich freue mich sehr darauf, ihren Rat zu h?ren. Im Namen Jesu Christi. Amen.