Elder David S. Baxter
von den Siebzigern
Vor 39 Jahren klopften zwei Missionare des Herrn in Glasgow in Schottland an die T?r meiner Familie. Ihre Ausstrahlung, ihre Demut und ihr Glauben ber?hrten uns tief. Immer, wenn sie bei uns zu Hause waren, sp?rten wir Liebe und Frieden. Es war ein durch und durch gutes Gef?hl.
Ihre Unterweisung war pers?nlich, aufrichtig und kam uns irgendwie vertraut vor. Wir f?hlten ganz einfach, dass es wahr ist. Ein paar Wochen sp?ter wurden wir getauft und konfirmiert. Von den Mitgliedern und F?hrern unserer neuen Kirchenfamilie wurden wir sogleich freundlich und liebevoll aufgenommen.
So begann unsere Reise auf dem Pfad des Evangeliums, das unser Leben in jeder Hinsicht bereichert und zum Guten gewendet hat und uns ein tiefes, best?ndiges und beruhigendes Gef?hl von Zweck und Richtung vermittelt. In der Hoffnung, den neuen Mitgliedern unserer Kirche zu helfen, m?chte ich heute ?ber drei grundlegende Evangeliumsprinzipien sprechen, die ich auf meinem Weg gelernt habe.
Zuerst kommt die motivierende, alles ver?ndernde Macht des Glaubens an Jesus Christus. Ein solcher Glaube ist wie geistiger Sauerstoff. Wenn wir uns vom Glauben durchstr?men lassen, weckt und belebt er unseren geistigen Sinn. Er fl??t unserer Seele Leben ein.
Wenn der Glaube in uns wirkt, werden wir empf?nglicher f?r die Einfl?sterungen des Geistes. Unser Verstand wird erleuchtet, unser geistiger Pulsschlag erh?ht sich und unser Herz wird ber?hrt.
Der Glaube n?hrt die Hoffnung. Unsere Perspektive ver?ndert sich, wir sehen klarer. Wir fangen an, in unserem Leben und bei anderen auf das Beste zu achten, nicht auf das Schlechteste. Wir verstehen Sinn und Bedeutung des Lebens besser. Verzweiflung weicht der Freude.
Solch ein Glaube ist zwar eine Gabe des Himmels, aber wir k?nnen danach streben und sie pflegen. Wie im Bible Dictionary zu lesen ist, wird der Glaube oft „dadurch entfacht, dass man das Zeugnis derer h?rt, die Glauben haben“.1 Der Glaube wird sodann gen?hrt, indem wir ihn in uns wirken lassen. Wie jede gute Eigenschaft wird unser Glaube st?rker, wenn wir Glauben ?ben – wenn wir so leben und handeln, als h?tten wir bereits tiefen Glauben. Glaube resultiert aus rechtschaffenem Verlangen, aus F?rwahrhalten und Gehorsam.
Dies zeigt sich auch am Beispiel des Vaters von K?nig Lamoni im Buch Mormon, der das Zeugnis von Aaron h?rte und bereit war zu glauben und zu handeln, sodass er in demutsvollem Gebet flehen konnte: „Wenn es einen Gott gibt und wenn du Gott bist, wollest du dich mir kundtun, und ich werde alle meine S?nden aufgeben, um dich zu erkennen.“2
So kann es auch bei uns sein, wenn wir uns vom Geist des Zeugnisses ber?hren lassen, wenn wir vertrauen, den Wunsch versp?ren, nachsinnen und forschen – kurzum, wenn wir unseren Glauben n?hren.
Zweitens: Wir machen Fortschritt, wenn wir dienen. Pr?sident George Albert Smith hat gesagt: „Nicht das, was wir empfangen, bereichert unser Leben, sondern das, was wir geben.“3
Selbstloses Dienen ist ein wundervolles Heilmittel gegen alle ?bel, die aus der weltweit grassierenden Ma?losigkeit hervorgehen. Einige Menschen verbittern oder werden ungeduldig, wenn es scheint, als w?rde ihnen nicht gen?gend Aufmerksamkeit gewidmet; doch ihr Leben w?re um so vieles reicher, w?rden sie nur den Bed?rfnissen anderer mehr Aufmerksamkeit schenken.
Die L?sung hierf?r lautet: Wir sollen unseren Mitmenschen bei ihren Problemen helfen anstatt ?ber unsere eigenen nachzugr?beln, wir sollen einem anderen die Last leichter machen, auch wenn wir uns niedergedr?ckt f?hlen, und wir sollen unsere Schulter an das Rad stemmen, anstatt uns dar?ber zu beklagen, dass das Leben wohl ans uns vor?berzieht.
Uns im Dienst am N?chsten zu verlieren hilft, uns ?ber eigene Sorgen, Fragen und Herausforderungen zu erheben. Wenn wir unsere Energie darauf verwenden, einem anderen die Last leichter zu machen, geschieht etwas Wunderbares. Unsere eigene Last wird leichter. Wir werden gl?cklicher. Unser Leben wird reicher.
Drittens: Jesus Christus nachfolgen hei?t nicht, dass wir vor den St?rmen des Lebens bewahrt werden. Selbst wenn wir gewissenhaft und glaubenstreu auf dem engen und schmalen Weg vorw?rtsgehen, treffen wir auf Hindernisse und Herausforderungen. Es gibt Tage, vielleicht sogar Monate und Jahre, in denen das Leben einfach nur schwer ist. Wir bekommen schon unseren Anteil an Herausforderungen, an Leid, Einsamkeit, Schmerzen und Kummer. Und manchmal, so scheint es, sogar mehr als das.
Was tun wir, wenn uns Schwierigkeiten treffen? Es gibt nur eine M?glichkeit: Stehen Sie fest und halten Sie durch. Bleiben Sie standhaft, best?ndig und treu. Wahrhaft tragisch sind die Wirbelst?rme des Lebens nur dann, wenn wir zulassen, dass sie uns vom wahren Kurs abbringen.
In Zeiten von Krisen und Herausforderungen beschlie?en manche, sich vom Glauben abzuwenden – genau dann, wenn sie ihn eigentlich am dringendsten brauchen. Sie h?ren genau dann auf zu beten, wenn sie eigentlich noch viel inniger beten m?ssten. Die Tugend wird genau dann zur Seite gesto?en, wenn sie eigentlich in Ehren gehalten werden m?sste. Der Mensch verl?sst Gott in der allzu menschlichen, jedoch falschen Annahme, Gott habe den Menschen verlassen.
In Wahrheit liegt unsere einzige Sicherheit, unser einziger Halt, unsere einzige Hoffnung darin, dass wir an dem festhalten, was gut ist. Wenn die Nebel der Finsternis uns umschlie?en, sind wir nur dann verloren, wenn wir die eiserne Stange loslassen, die das Wort Gottes ist.
Das Gleichnis des Erretters von dem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baut, ist so eindrucksvoll, weil es zeigt, dass auch der kluge Mann nicht vor den Herausforderungen des Lebens gefeit ist. Der Regen fiel, die St?rme tobten, die Wassermassen fluteten heran. Er jedoch ?berstand das alles, denn er hatte auf einer sicheren Grundlage gebaut – und er war dort geblieben, als der Sturm begann.
John Bunyan schreibt in der „Pilgerreise?:
Willst wahren Mut du sehn?
So komm geschwind!
Hier siehst du einen standhaft stehn,
bei Regen und bei Wind.
Nie gibt er auf,
auch wankt er nicht,
aus seines Lebens Lauf
der Pilger spricht.4
Der Apostel Paulus bat die Kolosser, „unersch?tterlich und unbeugsam am Glauben fest[zu]halten und ? [sich] nicht von der Hoffnung abbringen [zu] lassen, die ? das Evangelium schenkt“.5
Den Korinthern gab Paulus machtvoll Zeugnis:
„Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.“6
Wie ist eine solche Einstellung m?glich? Paulus nannte den Grund: „Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des g?ttliches Glanzes auf dem Antlitz Christi.“7
Ich bin ?berzeugt: Wenn wir unseren Glauben n?hren, durch Dienen wachsen und standhaft und treu bleiben, was auch immer kommen mag, dann werden wir die Liebe des Erretters versp?ren. Wir k?nnen dann die Segnungen des S?hnopfers in vollem Ausma? erlangen. Aus Mitgliedern werden J?nger. Wir werden gest?rkt, gereinigt, erquickt sowie geistig und seelisch geheilt.
Das bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.