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176th Semiannual General Conference, October 2006

Wir m?ssen Gott n?herkommen

Elder Craig A. Cardon
von den Siebzigern

Das Priestertum bringt durch das Wirken des Geistes den Einzelnen durch Ordinierung, heilige Handlungen und indem es sein Wesen l?utert, Gott n?her.

Vor Jahren zog unsere junge Familie in ein Haus im Neubaugebiet am Rande unseres Wohnorts, von wo aus man einen freien Blick auf die Berge im Osten hatte. An einem Montagmorgen – ich hatte mich gerade fertig angezogen und wollte zur T?r hinaus zur Arbeit eilen – kam unser sechsj?hriger Sohn Craig mit seinem vierj?hrigen Bruder Andrew an der Hand ins Zimmer. Craig blickte entschlossen zu mir auf und sagte: „Papa, gestern in der Primarvereinigung hat uns unsere Lehrerin erz?hlt, dass man, wenn man das Priestertum tr?gt, Berge versetzen kann. Ich hab das Andy erz?hlt, und er glaubt mir nicht. Du tr?gst doch das Priestertum, oder, Papa?“ Klein, wie er war, drehte er sich um, zeigte aus dem Fenster, blickte sich zu mir um und sagte: „Siehst du diese Berge dort dr?ben? Zeig es ihm, Papa!“

Was dann folgte, war sehr sch?n. Wie dankbar war ich doch f?r kleine S?hne, die gerade ein lebenslanges Lernen ?ber das Priestertum begannen.

Obgleich der Herr denjenigen, denen er das Priestertum ?bertragen hatte, tats?chlich gesagt hat, dass sich durch Glaube Berge bewegen lassen1 und auch Beispiele daf?r verzeichnet sind2, hoffe ich dazu beitragen zu k?nnen, dass der Aspekt der Lehre vom Priestertum besser verstanden wird, der Menschen bewegt, Gott n?her zu kommen, und ihnen die M?glichkeit gibt, so zu werden wie er und in Ewigkeit in seiner Gegenwart zu leben. Diese Lehre betrifft sowohl die S?hne als auch die T?chter Gottes. Dementsprechend bete ich darum, dass das, was ich sagen m?chte, f?r beide Geschlechter von Nutzen sein wird.

1823 erschien der Engel Moroni dem Propheten Joseph Smith und zitierte mehrere Schriftstellen, darunter auch die folgende aus Maleachi: „Siehe, ich werde euch das Priestertum durch die Hand des Propheten Elija offenbaren.“3 Diese erste aufgezeichnete ?u?erung in dieser Evangeliumszeit ?ber das Priestertum deutete auf das hin, was sich in den kommenden Jahrzehnten Schritt f?r Schritt ereignen sollte.

1829 stellte Johannes der T?ufer das Aaronische Priestertum wieder her4, kurz darauf folgten ihm Petrus, Jakobus und Johannes und stellten das Melchisedekische Priestertum wieder her.5

1836 stellten Mose und Elias die Schl?ssel zur Sammlung Israels und die der Evangeliumszeit Abrahams wieder her,6 ihnen folgte Elija, der die Schl?ssel der Siegelung wiederherstellte. Die Offenbarung schlie?t dann mit den Worten Elijas an den Propheten Joseph Smith: „Darum sind die Schl?ssel dieser Evangeliumszeit in eure H?nde ?bergeben.“7

Nun, da sich die ganze Vollmacht sowie alle ?mter und Schl?ssel des Priestertums wieder auf der Erde befanden, betonte der Herr im Jahre 1841 gegen?ber dem Propheten, wie wichtig es sei, Tempel zu bauen, in denen der Herr seinen Kindern Priestertumsverordnungen zug?nglich machen k?nne, durch die seine S?hne und T?chter vorbereitet werden w?rden, in seine Gegenwart zur?ckzukehren.8

Er erkl?rte: „Lasst dieses Haus ? gebaut werden, damit ich darin meinem Volk meine Verordnungen offenbaren kann,

denn es beliebt mir, ? zu offenbaren, ? was die Evangeliumszeit der F?lle der Zeiten betrifft.“9

Bereits in Kirtland hatte der Herr den Propheten Joseph Smith ?ber den Eid und Bund des Priestertums belehrt und die Bedingungen erl?utert, durch die verhei?ene Segnungen verwirklicht werden.10 In Nauvoo wuchs das Verst?ndnis, was die ewige Tragweite und Macht des Priestertums betraf11, durch das alle glaubenstreuen Kinder Gottes gesegnet werden, sei es in diesem oder im n?chsten Leben.12 Das Priestertum wird zwar den w?rdigen S?hnen Gottes gegeben, seine T?chter sind jedoch auch ein Teil seines Volkes, dem er seine Priestertumsverordnungen offenbart. Und die Verhei?ung, mit allem gesegnet zu werden, „was [der] Vater hat“13, gilt gleicherma?en f?r M?nner und Frauen, die Glauben an Jesus Christus aus?ben, die heilige Handlungen empfangen und im Glauben bis ans Ende ausharren. „Darum wird in [den] Verordnungen [des Melchisedekischen Priestertums] die Macht des G?ttlichen kundgetan.“14

Die kr?nende Verordnung des Tempels k?nnen Mann und Frau nur gemeinsam verwirklichen, und zwar wenn sie aneinander gesiegelt werden und eine ewige Familie bilden. Kraft dieser und aller anderen Priestertumsverordnungen werden die Familien der Erde gesegnet sein.15 Die Siegelung ist so grundlegend f?r die Absichten des Herrn, dass er den Glaubenstreuen, die ohne eigenes Verschulden in diesem Leben nicht gesiegelt werden, diese Segnung im k?nftigen Leben versprochen hat.16 Keine andere religi?se Lehre unterstreicht besser, dass Gott seine S?hne und seine T?chter gleicherma?en liebt.

Das Priestertum hat auch die Macht, unser Wesen zu ver?ndern. Paulus schrieb: „All jene, die zu diesem Priestertum ordiniert sind, die werden dem Sohn Gottes gleichgemacht.“17 Diese Angleichung wird nicht allein durch die Ordinierung und durch heilige Handlungen bewirkt, sondern auch durch die Vervollkommnung des Herzens, etwas, was „im Laufe der Zeit“18 erfolgt, wenn wir „den Einfl?sterungen des Heiligen Geistes [nachgeben] und den nat?rlichen Menschen [ablegen]“19. Wenn ein Mann zum Melchisedekischen Priestertum ordiniert wird, tritt er in eine „Ordnung“20 ein, in der er durch den Dienst an anderen, insbesondere an seiner eigenen Familie, gel?utert und damit gesegnet werden kann, dass der Heilige Geist ihn best?ndig begleitet.21

Der Herr sprach uns alle an, als er lehrte, dass sich die Macht und der Einfluss des Himmels von einem Priestertumstr?ger zur?ckziehen, wenn dieser Unrecht begeht, diese Macht und dieser Einfluss aber gr??er werden, wenn der Betreffende rechtschaffen ist. Er nannte Eigenschaften, „wodurch sich die Seele sehr erweitert“, wie „?berzeugende[] Rede, ? Langmut, ? Milde und Sanftmut, ? ungeheuchelte[] Liebe, ? Wohlwollen und [reine] Erkenntnis“22. Dann f?gte er diese lehrreichen Worte hinzu: „Lass dein Inneres auch erf?llt sein von N?chstenliebe zu allen Menschen und zum Haushalt des Glaubens und lass Tugend immerfort deine Gedanken zieren; dann wird dein Vertrauen in der Gegenwart Gottes stark werden und die Lehre des Priestertums wird auf deine Seele fallen wie der Tau vom Himmel.“23

Es ist bezeichnend, dass der Herr nach der Aufforderung, „allen Menschen“ N?chstenliebe entgegenzubringen, die Worte „und zum Haushalt des Glaubens“ hinzuf?gte. Warum? Schlie?t die Aussage „allen Menschen“ nicht den „Haushalt des Glaubens“ mit ein? ?berlegen Sie, welche Auswirkungen es hat, wenn dieser Zusatz insbesondere als „unser eigener Haushalt des Glaubens“ verstanden wird. Leider gibt es in der Kirche einige wenige, die Menschen au?erhalb ihrer Familie mehr N?chstenliebe erweisen als ihrem Ehepartner, ihren Kindern, Geschwistern oder Eltern. Sie t?uschen in der ?ffentlichkeit vielleicht Freundlichkeit vor, w?hrend sie privat die Saat des Streites s?en und n?hren, und diejenigen erniedrigen, die ihnen am n?chsten stehen sollten. So etwas darf nicht sein.

Der Herr sprach dann von Gedanken, die immerfort von Tugend geziert – geschm?ckt und gesch?tzt – werden. Derartige Gedanken verabscheuen die S?nde.24 Sie machen m?glich, dass unser „Ja“ ohne jede T?cke ein „Ja“ ist und unser „Nein“ ein „Nein“.25 Sie sehen das Gute und das Potenzial in anderen, ohne sich von deren unvermeidlichen Unvollkommenheiten davon abschrecken zu lassen.

Der Vers endet mit einem sch?nen, lehrreichen Hinweis auf einen Destillierungsvorgang. Um zu verdeutlichen, wie wir diese Grunds?tze anwenden k?nnen, um uns zu l?utern, stellen Sie sich zwei ?u?erlich identische Gl?ser mit Wasser vor, die in einen Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit gestellt werden. Nach einer Weile l?uft das eine Glas an, weil das Wasser darin eine andere Temperatur angenommen hat. Es ist zuvor entsprechend vorbereitet worden, was man anf?nglich nicht sehen konnte. Das andere Glas hingegen bleibt trocken und unver?ndert. Ohne N?tigung kann die Feuchtigkeit auf das eine Glas „zuflie?en“26, w?hrend das andere nichts abbekommt. In gleicher Weise passen Eigenschaften, die unsere Seele sehr erweitern, N?chstenliebe gegen?ber anderen – insbesondere unserer Familie –, und Gedanken, die von Tugend geziert werden, unsere geistige Temperatur so an, dass die Lehre des Priestertums auf unsere Seele tr?ufeln kann.

So bringt das Priestertum also durch das Wirken des Geistes den Einzelnen durch Ordinierung, heilige Handlungen und indem es sein Wesen l?utert, Gott n?her und gibt Gottes Kindern somit die M?glichkeit, so zu werden wie er und in Ewigkeit in seiner Gegenwart zu leben. Dieses Werk ist herrlicher, als Berge zu versetzen!27

Ich schlie?e mit den flehentlichen Worten von Thomas Kelly, die von Parley P. Pratt bearbeitet wurden und die auch mein Gebet sind:

Wie der Tau, vom Himmel tr?ufelnd,
auf dem Gras sucht sanfte Rast,
es belebt und so erf?llet,
was du vorgesehen hast;
so lass, Herr, auch deine Lehre
auf uns Menschen kommen nun,
dass sie uns dazu bewege,
deiner Liebe Werk zu tun.28

Im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. Siehe Matth?us 17:20
  2. Ether 12:30; Mose 7:13; siehe auch Jakob 4:6; Helaman 10:9
  3. Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:38
  4. Siehe LuB 13
  5. Siehe LuB 18:9; 27:12
  6. Siehe LuB 110:11,12
  7. LuB 110:13-16
  8. Die Unterweisungen, die der Prophet Joseph Smith im oberen Raum seines Ladens in Nauvoo gegeben hat, belegen, dass der Herr die Tempelverordnungen auf der Erde wiederhergestellt hat, noch ehe er sie seinem Volk im Nauvoo-Tempel offenbart und zug?nglich gemacht hat. Letzteres setzt er heute in allen seinen Tempeln fort, und damit gehen pers?nliche Offenbarung und Inspiration einher. (Siehe History of the Church, 5:1f.)
  9. LuB 124:40,41; Hervorhebung hinzugef?gt; siehe auch Vers 31,32,34,39
  10. Siehe LuB 84:33-42
  11. Siehe LuB 128:8,9
  12. Siehe LuB 137:7-9; siehe auch Verk?ndet mein Evangelium!, Seite 98f.
  13. LuB 84:38
  14. LuB 84:20
  15. Siehe Abraham 2:11
  16. „Die Propheten haben deutlich gesagt, dass keinem Sohn und keiner Tochter Gottes irgendeine Segnung vorenthalten wird, wenn sie ihn lieben, an ihn glauben, seine Gebote halten und treu bis ans Ende ausharren.“ (M. Russell Ballard, Counseling with Our Councils: Learning to Minister Together in the Church and in the Family, 1997, Seite 55.) „Alle, die sich f?r [die Siegelung im Tempel und f?r eine ewige Familie] w?rdig machen, werden sie zu der vom Herrn bestimmten Zeit hier oder im Jenseits erhalten.“ (Richard G. Scott, „Die Macht der Rechtschaffenheit“, Der Stern, Januar 1999, Seite 81.)
  17. Schriftenf?hrer, Joseph-Smith-?bersetzung Hebr?er 7:3; siehe auch Mose 1:6
  18. Mose 7:21
  19. Mosia 3:19
  20. Alma 13:2; LuB 107:3
  21. Siehe LuB 20:77,79; 121:46
  22. LuB 121:41,42
  23. LuB 121:45
  24. Siehe Alma 13:12
  25. Siehe Matth?us 5:37
  26. LuB 121:46
  27. Siehe Mose 1:39
  28. „Wie der Tau vom Himmel tr?ufelnd“, Gesangbuch, Nr. 149